Seit er 13 Jahre alt ist, spielt Rezo in Bands, am liebsten Gitarre, aber auch oft Schlagzeug. Seine ersten Youtubevideos zeigten ihn beim Musizieren. Das führte zu einer ungeahnten Laufbahn.

 

„Grundsätzlich bin ich schon jemand, der den Dingen auf den Grund gehen will.“

Rezo, woran erinnerst du dich am meisten, wenn du an deine Schulzeit zurückdenkst?

Die Schulzeit auf eine bestimmte Erinnerung zu reduzieren, geht nicht. Spontan würde ich sagen, die Zeit war insgesamt eher positiv. Wobei ich vor allem wegen meinen Mitschülern gerne in die Schule gegangen bin, weniger wegen den Inhalten. Selbst wenn mir ein Fach viel Spaß gemacht hat, war das nie der Grund, warum ich in die Schule gegangen bin.

 

Welche Fächer haben denn Spaß gemacht?

Da fallen mir erst mal die ein, die keinen Spaß gemacht ha- ben. Zum Beispiel Latein, da war ich richtig scheiße. Und – das kommt jetzt vielleicht überraschend – auch in Musik. Ich habe zwar Gitarre gespielt, aber gerade das, was man in der fünften bis siebten Klasse so im Musikunterricht macht, hat mich nicht interessiert. Später hatte ich Musik in der Uni im Nebenfach und musste mir erst einmal beibringen, wie man Noten liest. Bis dahin hatte ich das natürlich längst wieder komplett vergessen. In Mathe war ich am Anfang auch total lost. Erst in der Oberstufe hatte ich einen Drive und habe dann sogar in Mathe Abi gemacht.

 

Aber studiert hast du Informatik.

Ich wusste erst echt nicht, was ich machen soll nach der Schule. Ich habe mir auch mal überlegt, Sonderpädagogik zu studieren. Ein paar meiner Freunde haben das gemacht und ich habe an einer Schule für geistig behinderte Kinder gearbeitet. Mathe kam für mich nicht in Frage, das schien mir viel zu theoretisch. So ist es eben irgendwie Informatik geworden, das hat mich einfach krass interessiert.

 

Dann bist du ein richtiger Nerd?

Aktuell sitze ich zumindest viel in einem Raum mit Whiteboards, die mit Formeln und Grafiken voll sind, und Code. In diesem Jahr haben wir die Plattform „Nindo“ entwickelt, eine Plattform für Social Media Statistiken. Da habe ich sehr viel Zeit reingesteckt, das wird jetzt wieder weniger. Aber nach außen hin ist natürlich nicht so sichtbar, wie viel ich wirklich nerde. Dabei filme ich mich ja nicht.

 

Dafür filmst du dich in zahlreichen anderen Momenten. Wie kam es dazu, dass du auf YouTube so aktiv geworden bist?

Alles hat mit der Musik angefangen. Ich spiele in Bands, seit ich 13 Jahre alt bin. Ein Jahr, bevor ich meinen Master abgeschlossen habe, hat sich meine damalige Band aufgelöst und ich dachte, jetzt brauche ich auch nichts Neues mehr gründen. Schließlich fängt nach der Uni der Ernst des Lebens an - dachte ich jedenfalls. Also habe ich einfach für mich Musik gemacht und das auf YouTube gestellt. LeFloid oder Dagi Bee haben mir damals noch nichts gesagt, das war nicht meine Welt. Ich bin dann aber immer weiter dort eingetaucht und habe viele Leute in der Szene kennengelernt.

 

Vor allem mit dem Video „Die Zerstörung der CDU“ bist du auch über die Grenzen von YouTube hinaus bekannt geworden. Welche Motivation steckte dahinter?

Mit dem Video über die CDU wollte ich vor allem aufklären und dadurch eine Diskussion anregen. Ich habe mehrere hundert Stunden Arbeit in das Projekt gesteckt und mich dabei selbst weitergebildet. Mich so lange auf ein einziges Projekt zu konzentrieren, mag ich gerne.

 

Wie bist du mit der Kritik zu dem Video umgegangen?

Das war gar nicht schwer, weil es ja nur sehr wenig Kritik gab. Es gab hundertausende positive Rückmeldungen in Form von Kommentaren, Kolumnen und anderen Meinungsbeiträgen. Auch in Faktenchecks von Wissenschaftlern wurde ich gelobt. Dagegen gab es relativ betrachtet kaum Kritiker (Anm. d. Red.: knapp 18 Mio. Aufrufe des Videos bis Ende 2020) und häufig wurde die „Kritik“ auch eher peinlich geführt, insofern war ein Umgang damit gar nicht schwierig.

 

Du kritisierst in deinen Videos selbst vieles. War das in der Schule schon so?

Ich habe jetzt nicht in jeder Unterrichtsstunde alle Inhalte auf den Kopf gestellt und angezweifelt. Aber grundsätzlich bin ich schon jemand, der den Dingen auf den Grund gehen will. Mit dieser Art bin ich mit meinen Lehrern auch immer gut klargekommen. Eher war das Problem, wenn ich meine Hausaufgaben nicht gemacht habe, weil ich in einem Fach nicht gut war oder keine Lust darauf hatte. Aber wenn Schüler kritische Fragen stellen, ist das für Lehrer ja nichts Schlechtes. Im Gegenteil.

 

Welche Werte und Eigenschaften sind dir sonst noch wichtig?

Moralische Integrität und einen ehrlichen Umgang miteinander. Ich finde es wichtig, dass man zu Prinzipien steht und versucht, diese Werte zu transportieren – unabhängig davon, ob man eine große Reichweite besitzt oder nicht.

 

Wo soll es beruflich für dich noch hingehen?

Ich habe aufgehört zu planen. Ich hatte mal Pläne, was ich im nächsten halben Jahr machen will. Aber es kommt sowieso immer anders. Die Corona-Pandemie hat uns das ja ganz deutlich gezeigt. Letztlich konzentriere ich mich vor allem darauf, meinen Job jetzt gut zu machen. Was mehr als drei Wochen in der Zukunft liegt, weiß ich nicht.

 

Aber du hast doch sicher Träume.

Die habe ich natürlich schon. Und zwar ganz spießige: ein Haus mit Garten, eine Frau, zwei Kinder und einen Hund.

 

Viele Kinder träumen davon, später mal YouTube-Star zu werden. Daran bist du sicher nicht ganz unbeteiligt. Was würdest du diesen Kindern raten?

Träume zu haben, ist gut. Aber Star ist ja erst einmal nichts, das man direkt werden kann. Es sollte nicht primär um den Erfolg gehen, sondern um die Tätigkeit selbst. Also um intrinsische Motivation. Ich habe auch nicht mit YouTube angefangen oder mein Studium abgeschlossen, weil ich bekannt werden wollte, sondern weil ich es gerne gemacht habe und weil ich es gut machen wollte. Darum sollte es gehen: Mach etwas, weil du es gerne machst und weil du es gut machen willst.

 

Vielen Dank für das Interview.

 

„Mach etwas, weil du es gerne machst und weil du es gut machen willst.”
Auf YouTube folgen mehr als 1,5 Millionen Abonnenten „Rezo ja lol ey“. Beim Kanal „rezo“ sind es sogar mehr als 1,7 Millionen.
Titel: ganz persönlich

Meine beste Klassenfahrt... war mit der Oberstufe nach Berlin. Ich war vorher noch nie wirklich lange dort gewesen und hatte nichts von der Stadt gesehen. Mit dem Leistungskurs Geschichte haben wir viel über diese spannende Stadt gelernt. Das war super eindrücklich.

Mein Lieblingsfilm... erinnert mich total an die Zeit nach meinem Abi. Okay, es ist nicht unbedingt mein Lieblingsfilm, aber „Into the Wild“ hat sehr starke Gefühle in mir hervorgerufen.

Mein Vorbild... gibt es nicht. Ich bin nicht der Typ für perfekte Sonntage.

An einem perfekten Sonntag... backe ich mit meiner Mama einen gesunden Kuchen, den wir dann auf einmal aufessen. Dann mache ich einen Mittagsschlaf und lege mich anschließend draußen in die Sonne. Kurz: Essen, schlafen, sonnen.

Meine erste Freundin... hatte ich mit 13. Auch wenn es gerade mal ein paar Wochen hielt, habe ich sie zumindest damals als meine Freundin gesehen und hatte mit ihr meinen ersten Kuss.


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