Schauspielerin, Moderatorin, Youtuberin– und nun auch Buchautorin. Joyce Ilg (36) hat viele Talente und teilt die mit mehr als einer Million Fans. Ein Gespräch über Verhaltensforschung beim Dating, ehrliche Lehrer und Botschaften für ein Leben nach der Schule.

 

„Für den Unterricht war ich viel zu hibbelig“

Hätte ich das mal früher gewusst – so heißt dein Buch. Was hättest du denn gerne früher gewusst?

Joyce Ilg: Ach, da gibt es einiges. Aber vor allem hätte ich mich in der Schule gerne mehr mit dem Menschen beschäftigt, mit sozialem Miteinander und mit Themen wie Selbstreflektion. Das ist für den beruflichen Weg so entscheidend, kommt aber in der Schule oft zu kurz. Wie kann ich mehr Empathie entwickeln, ohne mich selbst dabei zu vergessen? Fragen rund um das menschliche Verhalten beschäftigen mich schon immer. Daher hatte ich als Teenager auch Dating als Hobby.

 

Du hast Jungs gedatet, um ihr Verhalten zu erforschen?

Umso authentischer man ist und umso mehr man sich den anderen gegenüber öffnet, umso besser ist die Verbindung, die man herstellt. Damit meine ich nicht, dass ich sofort alles über mich preisgebe. Aber wir sollten uns nicht verstecken oder versuchen, jemand anderes zu sein.

 

Und was war deine Erkenntnis?

Umso authentischer man ist und umso mehr man sich den anderen gegenüber öffnet, umso besser ist die Verbindung, die man herstellt. Damit meine ich nicht, dass ich sofort alles über mich preisgebe. Aber wir sollten uns nicht verstecken oder versuchen, jemand anderes zu sein.

 

Warst du immer du selbst bei deinen Entscheidungen?

Ich habe immer versucht, meinen Weg zu gehen. Mein Papa wollte, dass ich einen sicheren Beruf erlerne. Die Selbstständigkeit hat ihm Sorgen bereitet. Weil ich Kunst und Mathe in der Schule gut fand und darin auch Abi geschrieben habe, habe ich nach etwas gesucht, worin ich beide Stärken kombinieren konnte. Daher habe ich Fotoingenieurwesen studiert. Aber nicht, weil mein Papa das wollte, sondern weil es mir Spaß machte. Ich habe während des Studiums lange fotografiert und finde auch Bereiche wie die Kameraentwicklung total spannend. Aber als ich fertig war, konnte ich mir nicht vorstellen, irgendwo angestellt zu sein. Auch wenn sich mein Papa das gewünscht hat. Ich brauche meinen Freiraum und will mir nichts vorschreiben lassen.

 

Die Einstellung war sicher nicht immer einfach …

Das stimmt. Schon als kleines Kind habe ich mehrmals meinen Koffer gepackt und bin kurzzeitig zuhause ausgezogen, wenn mir etwas nicht gepasst hat (lacht). Auch im Unterricht habe ich mich nie wirklich zurechtgefunden, dafür war ich viel zu hibbelig. Meine mündlichen Noten waren daher eher weniger gut. Das habe ich dann in den Klausuren wieder rausgeholt.

 

Dann hattest du insgesamt gute Noten?

Mittelmäßig. Ich wollte so effizient wie möglich meinen Notenschnitt zumindest so gut halten, dass er mich später nicht beim Studium einschränkt. Im Abi hatte ich dann eine 2,7. Das war für mich okay, auch wenn es nicht für jedes Studienfach gereicht hätte.

 

Erinnerst du dich an ein besonderes Erlebnis deiner Schulzeit?

Ja, an meinen Sportlehrer. Sport war eigentlich nie mein Lieblingsfach, aber in der Oberstufe konnten wir verschiedene Kurse wählen. Weil ich total gerne durch den Wald jogge, habe ich mich für einen Laufkurs entschieden. Ich habe dort immer zu den Besten gehört – aber im Zeugnis hatten die anderen eine 1 und ich nur eine 2. Das habe ich nicht verstanden und bin damit zu meinem Lehrer gegangen. 

 

Und?

Er hat tatsächlich zugegeben, einen Fehler gemacht zu haben und hat die Note in meinem Zeugnis ändern lassen. Das fand ich eine richtig coole Aktion.

 

Lehrer bekommen immer wieder einen Platz in deinen Youtube-Videos. Wie kommst du auf all die Ideen?

Das ist total unterschiedlich. Manchmal setze ich mich gezielt mit meinem Partner Chris hin und brainstorme, manchmal auch mit mehreren Freunden. Anfang des Jahres bin ich sogar mit Chris ein wenig gereist, um in einer neuen Umgebung auf andere Ideen zu kommen. Wenn uns im Alltag etwas einfällt, wir ein witziges Erlebnis haben oder jemand etwas Komisches sagt, schreiben wir das in unsere Ideen-Whats-App-Gruppe.

 

Seit wann arbeitest du schon im Chris Halb12 zusammen?

Wirklich schon ewig. Seit meinen beruflichen Anfängen quasi. Ich kenne Chris seit der Abizeit

und schon zu Beginn meiner Schauspielerei haben wir zusammengearbeitet, denn ich habe ihm einen Job in meiner Schauspielagentur besorgt. Gemeinsam haben wir die Idee für den YouTube-Kanal entwickelt. Seitdem arbeiten wir eng zusammen und wissen, das passt einfach.

 

Warum eigentlich Youtube? 

Für mich war das die ideale Verknüpfung all meiner Interessen und Fähigkeiten. Das Equipment hatte ich durch das Fotografieren schon zuhause und im Studium habe ich gelernt, Videos zu schneiden. Vor der Kamera zu stehen war ich als Schauspielerin ja gewöhnt.

 

In einem der Videos charakterisierst du Fan-Typen. Wie gehen Fans denn wirklich auf dich zu?

Die meisten Fans sind super lieb und fragen mich ganz brav, ob sie ein Foto mit mir machen dürfen. Am Anfang waren das vor allem die 14- bis 16-Jährigen, aber mittlerweile ganz gemischt. Da ich ja nicht nur auf Youtube aktiv bin, sondern zum Beispiel auch in Fernsehserien mitspiele, sind die Zielgruppen breit gefächert. Ich erlebe auch immer öfter, dass mich Teenies um ein Foto bitten und ihre Eltern dann auch eines wollen (lacht).

 

Du stehst nicht nur vor der Kamera, sondern hast gemeinsam mit Chris Halb12 ein Buch geschrieben. War das ein Traum, den du dir damit erfüllt hast?

Nein, das nicht. Wir wurden schon 2014 von einem Verlag angefragt, ob wir nicht ein Buch rausbringen wollen. Wir haben damals lange überlegt, uns dann aber dagegen entschieden. Wir hatten einfach nichts zu sagen, das ein Buch gerechtfertigt hätte. Und aus den Fingern saugen wollten wir uns nichts, nur weil viele Influencer Bücher schreiben.

 

Und das hat sich geändert?

Genau. Wir haben uns privat viel mit den Themen aus dem Buch beschäftigt, also zum Beispiel mit Glaubenssätzen, unterschiedlichen Menschentypen, mentaler Gesundheit oder ganz einfach dem Sinn des Lebens. Dabei haben wir festgestellt, dass unsere Gedanken und Recherchen andere im Leben weiterbringen könnten. Und es kommt tatsächlich richtig gut an. Ich bekomme viele Nachrichten von Lesern, denen unsere Inhalte helfen.

 

Gibt es einen Traum, den du dir noch erfüllen willst?

Eigentlich verfolge ich keine Träume, die utopisch sind und sich nicht verwirklichen lassen. Aber einen habe ich schon. Ich würde total gerne in einem Film von Tim Burton mitspielen. Und dann noch an der Seite von Johnny Depp – das wäre perfekt (lacht). Aber sonst setze ich mir lieber kleinere Ziele. Jetzt wo das Buch so gut läuft, habe ich mir als nächstes vorgenommen, die Inhalte daraus mit der Comedy zu verknüpfen und auch mal ernstere Botschaften in die Videos einzubauen. Ich will nicht, dass meine Fans später mal sagen: Hätte mir Joyce das mal früher gesagt.

 

Vielen Dank für das Interview.

 

Auf Youtube hat Joyce auf ihrem gleichnamigen Kanal ca. 1,25 Millionen Abonnenten.

 

Titel: ganz persönlich

Meine schrecklichste Klassenfahrt… war definitiv der Schüleraustausch in Paris. Das Problem: Meine Austauchschülerin mochte keine Deutschen. Warum sie trotzdem mitgemacht hat bei dem Austausch, war mir dann schnell klar. Die Familie hat einen Babysitter
gebraucht. Ich saß drei Wochen zuhause und habe auf das Kind aufgepasst. Von Paris habe ich nichts gesehen.

Mein Vorbild... gibt es gar nicht wirklich. Zumindest niemanden, dem ich nacheifern würde. Die Schauspielerin Audrey Hepburn fand ich aber immer toll. Die hat eine richtig krasse Ausstrahlung.

Mein perfekter Sonntag... ist manchmal auch ein Dienstag oder Donnerstag. Ich muss mich aber wirklich dazu zwingen, an freien Tagen nicht trotzdem zu arbeiten. Ich stelle mir dann keinen Wecker, gehe raus in die Natur, besuche meine Familie und spinne ein bisschen
kreativ herum.

Mein erster Freund… ist meine Sache. Zu Beziehungsthemen gebe ich nichts preis.

Am liebsten schaue ich… ganz verschiedene Filme und Serien. Besonders gut erinnere ich mich noch an meine ersten Lieblingsserien. Ich war als Jugendliche ein Riesen-Fan von Prison Break, 24 und Lost.


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