Gut gepflegt

Die Pflegebranche braucht Nachwuchs. Und sie bietet Abiturienten spannende und verantwortungsvolle Aufgaben. Ob du später die Personalführung einer Klinik übernimmst oder Patienten bei rechtlichen Fragen berätst: Finde deinen Weg, anderen zu helfen.

 

Du hast ein Händchen für Zahlen und interessierst dich für ethische und rechtliche Themen? Oder bist du ein Teamplayer, der gut zuhören und trösten kann? Welche Talente und Interessen du auch hast: Wenn du sie sinnvoll einsetzen möchtest, bist du in der Pflegebranche richtig. Hier hilfst du anderen Menschen – und verwirklichst dich dabei selbst. Mehr als 100 Ausbildungsmöglichkeiten und Studiengänge gibt es deutschlandweit im Pflegebereich. Sie kombinieren Fächer aus Gesundheit und Pflege mit Themen wie Management, Wirtschaft, Soziologie oder Recht. Das bedeutet beste Zukunftschancen für dich: Absolventen stehen nicht nur die Führungsetagen von Kliniken und Pflegeeinrichtungen offen. Gesundheitsexperten sind zunehmend auch in Behörden, Forschungszentren und Beratungsstellen gefragt.

 

Antworten auf dringende Fragen

 

Denn: Unsere Gesellschaft wird immer älter – die Lebenserwartung der Deutschen steigt jedes Jahrzehnt um rund 2,5 Jahre. Damit entstehen neue Herausforderungen: Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft sind bis zum Jahr 2035 vier Millionen Menschen pflegebedürftig; das sind eine Million mehr als noch 2015. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Jugendlichen, und damit auch die Anzahl an Nachwuchskräften. Schon heute kommen auf 100 offene Stellen in der Pflege nur 21 Bewerber.

Diese Entwicklungen werfen im Gesundheitsbereich aktuell drängende Fragen auf: Wie können sich Altenheime und Pflegedienste auf die wachsende Zahl der Senioren einstellen? Wie lassen sich Arbeitsprozesse in einer Klinik effizienter gestalten, ohne dabei die Bedürfnisse der Patienten zu vernachlässigen? Kann man technische Innovationen nutzen, um Pflegekräfte zu entlasten? Als Experte verknüpfst du betriebswirtschaftliches oder juristisches Wissen mit medizinischem und sozialem Know-how – und findest so die Antworten. Welchen Weg du auch wählst: Mit deiner Arbeit trägst du dazu bei, unser Gesundheitssystem zu verbessern und fit für die Zukunft zu machen.

 

Unsere Beispiele zeigen, wie unterschiedlich deine Karriere in der Pflege sein kann. 

 

Alt vs. Jung

 

Studium: Gerontologie

Heute ist jeder fünfte Deutsche mindestens 65 Jahre alt – 2060 bereits jeder dritte. Der demografische Wandel stellt nicht nur das Gesundheitswesen, sondern auch die Wirtschaft und Arbeitswelt vor neue Herausforderungen. Daher gewinnt die Gerontologie, die Wissenschaft des Älterwerdens, immer mehr an Bedeutung. Im Studium erforschst du den Prozess des Alterns aus medizinischer, soziologischer und kultureller Sicht. Später bist du in zahlreichen Berufsfeldern gefragt: In Beratungsstellen unterstützen Gerontologen ältere Menschen und ihre Angehörigen bei rechtlichen Fragen. In Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen entwickeln sie neue Therapiekonzepte. Oder sie beraten Unternehmen dabei, Produkte für die Zielgruppe der Senioren herzustellen.

 

Ausbildung: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege

In diesem Beruf betreust du junge Patienten – vom Neugeborenen bis zum Teenager. Die Vorteile einer Ausbildung liegen auf der Hand: Von Anfang an lernst und arbeitest du von und mit Menschen. Dabei führst du Routineuntersuchungen wie Blutdruck- oder Fiebermessen durch und assistierst Ärzten bei der Behandlung. Gleichzeitig musst du kleine Patienten trösten und motivieren. Empathie und Mitgefühl sind daher unverzichtbar. Nach dem Abschluss kannst du die Weiterbildung zum Fachkinderkrankenpfleger machen, etwa in den Bereichen Psychiatrie und Onkologie. Oder du gehst einen ganz anderen Weg: Mit Abitur und der abgeschlossenen Ausbildung qualifizierst du dich für das Studium „Pflegepädagogik“. So kannst du später an Universitäten oder Berufsschulen arbeiten und selbst Gesundheitskräfte ausbilden.

 

Mensch vs. Management

 

Studium: Heilpädagogik

Was bedeutet Inklusion? Dass in unserer Gesellschaft jeder seinen Weg gehen kann – unabhängig von körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Im Studium setzt du dich mit Themen wie Barrierefreiheit und Chancengleichheit auseinander, um Inklusion in Deutschland voranzubringen. Du lernst, wie man Menschen mit Behinderungen fördert, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Dein Wissen aus den Fächern Pflege, Erziehungswissenschaften, Pädagogik und Ethik setzt du später in der Behinderten- und Jugendhilfe ein. Ein Tipp: Viele Hochschulen fordern vor dem Studienstart ein Pflegepraktikum in einer heilpädagogischen oder sozialen Institution. So lernst du spätere Arbeitsbereiche kennen und merkst gleich, ob der Beruf zu dir passt.

 

Studium: Pflegemanagement

Knapp 2.000 Krankenhäuser gibt es deutschlandweit – jedes davon hat durchschnittlich 245 Betten und mehr als 400 Mitarbeiter. Hier braucht es Organisationstalente, die den Überblick behalten: Sie kümmern sich um Dienstpläne, Stationsabläufe und Bettenbelegungen. Dafür müssen sie nicht nur die Bedürfnisse von Patienten und Personal verstehen, sondern auch wirtschaftlich handeln. Das Studium bereitet dich auf eine Karriere in der Führungsetage vor, etwa in der Personalabteilung oder der Verwaltung von Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Dafür besuchst du Kurse zu Betriebswirtschaft sowie Personal- und Projektmanagement und verknüpfst dabei stets unternehmerisches Denken mit sozialen Aspekten.

 

Klinik vs. Büro

 

Duales Studium: Pflegewissenschaft

Sie sind erste Ansprechpartner bei Problemen, vermitteln zwischen Ärzten und Patienten und haben stets ein offenes Ohr für die Sorgen der Angehörigen: Gesundheits- und Krankenpfleger sind in einer Klinik unverzichtbar. Kombinierst du die Ausbildung mit einem Studium, lernst du neben praktischem Know-how auch wissenschaftliche und rechtliche Hintergründe der Pflege. Mit deiner abgeschlossenen Ausbildung und dem Bachelor of Science kannst du Patienten nicht nur selbstständig betreuen und umfassend beraten. Du weißt auch, wie man ein Pflegeteam anleitet und Therapiekonzepte entwickelt. Damit hast du beste Voraussetzungen für einen schnellen Aufstieg in eine Führungsposition, beispielsweise als Stationsleitung.

 

Studium: Gesundheitsökonomie

Er ist 1,20 Meter groß, 29 Kilo schwer, hat große Augen und kann sprechen: Roboter „Pepper“ ist vielleicht die Pflegekraft der Zukunft. Die Universität Halle forscht derzeit daran, wie „Pepper“ in Altenheimen unterstützen kann. Doch das Thema ist umstritten: Wie ist der wirtschaftliche Nutzen von Pflegerobotern mit sozialen und rechtlichen Grundsätzen vereinbar? Fragen wie diese beantwortest du im Studium. Du betrachtest beispielsweise die Finanzierung des Pflege- und Gesundheitssystems nicht nur aus ökonomischer, sondern auch aus juristischer und ethischer Sicht. Dein Fachwissen bringst du später in Krankenkassen und Versicherungen ein. Oder du sorgst auf politischer Ebene – etwa bei Verbänden und Gewerkschaften – dafür, dass jeder die gleiche Chance auf eine gute Gesundheitsversorgung erhält.

 

Autorin: Linda Kauer

 


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