Lachen ist die beste Medizin

Wenn ein Kind krank wird, sind Spezialisten gefragt: Denn im Umgang mit den kleinen Patienten reicht medizinisches Wissen allein nicht aus. Für die Arbeit als Kinderarzt, Hebamme oder Pfleger brauchst du viel Geduld – und musst auch mal kreativ werden.

Kinder erfordern Fingerspitzengefühl

Raaul Marcus ist angehender Kinderkrankenpfleger. Im Behandlungszimmer der Kinderklinik Erlangen erklärt er seiner vierjährigen Patientin gerade, wie man Blutdruck misst – und legt dafür ihrem Plüschhasen die Manschette an. „Manchmal muss ich kreativ werden, damit die Kinder Vertrauen fassen“, sagt Raaul mit einem Augenzwinkern. „Wenn es ihrem Kuscheltier nicht weh tut, haben sie selbst auch keine Angst vor der Behandlung.“ Seit Oktober absolviert der 19-Jährige die Ausbildung zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger. „Ich habe mich für Medizin interessiert, wollte nach dem Abi aber erst einmal praktisch arbeiten“, erzählt Raaul.

„Durch eine Bekannte erfuhr ich von diesem Beruf und war begeistert. Ich hatte schon immer gern mit Kindern zu tun. Deshalb konnte ich mir auch gut vorstellen, mit ihnen zu arbeiten.”
Raaul Marcus (19), „Der Kreative"

In der dreimonatigen Theoriephase seiner Ausbildung lernt Raaul zunächst die Grundlagen der Pflege. Also wie man Verbände anlegt und Krankheitsverläufe dokumentiert. Mit dem achtwöchigen Praxisblock in der Kinderklinik folgt dann die erste große Herausforderung. Auf der Infekt-Station betreut Raaul Patienten jeden Alters – von Kleinkindern mit Grippe bis hin zu Jugendlichen, deren Immunsystem durch eine Krebserkrankung geschwächt ist. Raaul ist vom Optimismus seiner Patienten beeindruckt. „Trotz ihrer schweren Krankheit lächeln dich viele Kinder an, wenn du ins Zimmer kommst“, sagt er begeistert. Dennoch spürt der 19-Jährige auch, dass ihm die einzelnen Schicksale nahe gehen. „Anfangs war ich ziemlich überfordert, wenn ein Kind etwa vor Schmerzen geweint hat. Ich musste erst lernen, mit emotionalen Momenten umzugehen und trotz Mitgefühl professionell zu bleiben“, gibt er offen zu.

Der Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger


Aufgaben:
 Du betreust junge Patienten – Säuglinge ebenso wie Teenager. Du führst Untersuchungen wie Blutdruck- oder Fiebermessen durch, dokumentierst den Krankheitsverlauf und assistierst Ärzten bei der Behandlung.

Karriere: Deine dreijährige Ausbildung verbringst du abwechselnd an einer Berufsfachschule und in einer Kinderklinik. Nach deinem Abschluss kannst du dich zum Fachkinderkrankenpfleger weiterbilden und dich auf einen Fachbereich, zum Beispiel auf die Psychiatrie oder die Onkologie (Krebserkrankungen), spezialisieren.

Das musst du mitbringen: Für die kleinen Patienten bist du der erste Ansprechpartner – deshalb solltest du in schweren Situationen die Fassung bewahren, gut trösten sowie motivieren können. Wenn es auf der Station stressig wird, muss das Pflegepersonal stets den Überblick behalten. Daher sind hier auch Organisationstalent und Teamfähigkeit gefragt.

Mit vollem Einsatz

In bewegenden Situationen die Fassung bewahren – die Herausforderung kennt Manuela Kinzler („Die Aufmerksame“) nur zu gut. Die 27-Jährige hat dual „Angewandte Gesundheitswissenschaften für Pflege und Geburtshilfe“ studiert und arbeitet seit drei Jahren als Hebamme im Ostalbklinikum Aalen. Im Kreissaal betreut sie Mütter und Kinder vor, während und nach der Geburt. „Mein Beruf ist sehr anstrengend – körperlich und emotional. Ich darf nie unaufmerksam sein. Innerhalb kürzester Zeit kann sich eine Situation ändern“.

Zum Beispiel, wenn eine Geburt zunächst gut verläuft, das Baby dann aber nicht zu atmen beginnt. „Dann muss ich schon nach dreißig Sekunden damit beginnen, es zu beatmen und im schlimmsten Fall muss ich es sogar reanimieren“, erklärt Manuela. Gleichzeitig gilt es, die Eltern zu beruhigen und den Gesundheitszustand der Mutter zu kontrollieren. Bis zu sechs Geburten betreut Manuela pro Schicht, Zeit für ausgedehnte Mittagspausen oder einen Kaffee zwischendurch bleibt selten. Dennoch sprüht sie vor Begeisterung, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt. „Die Freude, wenn ein Kind endlich zu atmen beginnt und gesund ist, macht den ganzen Stress wieder wett. Und die Dankbarkeit der Eltern ist unbezahlbar.“

Ihr Tipp für alle, die sich für den Hebammenberuf interessieren? „Man braucht viel Engagement und muss lernen, emotionale Geschehnisse zu verarbeiten – etwa beim Sport oder im Gespräch mit Freunden. Doch es lohnt sich: Der Beruf ist wunderschön und vielfältig.“ Manuela kann sich zum Beispiel vorstellen, später freiberuflich zu arbeiten und Familien zuhause zu betreuen. Durch ihr duales Studium besitzt sie bereits das wirtschaftliche Know-how, das sie für diesen Schritt in die Selbstständigkeit braucht.“

Die Hebamme


Aufgaben:
Babys auf die Welt zu helfen, ist nur ein Teil des Hebammenberufs. Du sorgst unter anderem dafür, dass Mutter und Kind während der Schwangerschaft gesund sind und bereitest die Eltern auf zukünftige Aufgaben vor. Außerdem unterstützt du die Familien in den ersten Wochen mit dem Neugeborenen.

Karriere: Die Ausbildung geht drei Jahre. Die theoretischen Grundlagen lernst du in einer Berufsfachschule. Praxiserfahrung sammelst du dann meist in einer Klinik, zum Beispiel im Kreissaal oder auf der Neugeborenen-Station. Entscheidest du dich für ein duales Studium wie „Angewandte Hebammenwissenschaft“, lernst du zudem wirtschaftliche Grundlagen. So hast du das nötige Know-how, um später freiberuflich als Hebamme zu arbeiten oder selbst an einer Hochschule zu unterrichten.

Das musst du mitbringen: Im Umgang mit den werdenden Eltern und ihren Babys brauchst du Einfühlungsvermögen und Geduld. Schichtdienste gehören im Kreissaal dazu: Auch nachts musst du hellwach und sofort einsatzbereit sein.

Schicksale die Bewegen

Während Manuela noch am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn steht, blickt Dr. Tobias Schuster bereits auf mehr als dreißig Jahre Berufserfahrung zurück. Als Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie Augsburg leitet er ein ganzes Team aus Ärzten und Pflegern: Sie operieren Nieren und Bäuche, behandeln Verbrennungen und therapieren Tumorerkrankungen. Tobias weiß genau, welche Eigenschaften man im Umgang mit den jungen Patienten braucht:

„Handwerkliches Geschick ist für mich als Chirurg natürlich wichtig. Doch als Arzt sollte man nicht nur am Menschen, sondern vor allem mit Menschen arbeiten können.”
Dr. Tobias Schuster, „Der Teamplayer"

Damit die Behandlung gelingt, müssen Ärzte, Kinder und Eltern zu einem eingespielten Team werden. Tobias erklärt: „Erst wenn die Patienten mich als ihren Freund ansehen, kann ich sie untersuchen. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, brauche ich aber die Unterstützung ihrer Eltern. Und die erhalte ich nur, wenn die Angehörigen meine Therapiemethoden verstehen.“ Dieser Wechsel zwischen spielerischer Arbeit mit Kindern und ernsthaften Gesprächen mit Erwachsenen kann zur Herausforderung werden – für den Chefarzt bietet das aber auch eine spannende Abwechslung im Berufsalltag.

Die Empathie, die seine jungen Kollegen Manuela und Raaul für ihre Patienten empfinden, kann Tobias gut nachvollziehen. Auch nach langjähriger Erfahrung gehen ihm die Schicksale der Kinder nahe. „An einigen Tagen denke ich beim Aufwachen als erstes an einen meiner Patienten“, sagt er offen. „Das ist aber normal. Denn jeder, der mit Kindern arbeitet, trägt eine enorm hohe Verantwortung. Deshalb ist in unseren Berufen besonders viel Engagement und Leidenschaft gefragt.“

Der Kinderchirurg


Aufgaben:
„Anders als deine Kollegen (zum Beispiel ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt) spezialisierst du dich als Kinderchirurg meist nicht auf ein bestimmtes Körperteil, sondern behandelst die kleinen Patienten von Kopf bis Fuß.

Karriere: Der Weg zum Kinderchirurgen ist lang. Nach einem sechsjährigen Medizinstudium bildest du dich zwei Jahre in einem chirurgischen Fach weiter. Anschließend spezialisierst du dich in vier Jahren zum Facharzt für die Kinderchirurgie.

Das musst du mitbringen: Das anspruchsvolle Medizinstudium fordert viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen. Im Beruf ist später neben hohem Verantwortungsbewusstsein und Belastbarkeit vor allem Teamgeist gefragt. Auch eine besondere Bereitschaft zur Problemlösung, Kreativität, Geduld und die chirurgische Begabung mit viel Liebe zum Detail machen aus dir einen guten Kinderchirurgen.

Doch Krankenpfleger, Hebamme und Chirurg sind sich einig: Ihr Einsatz zahlt sich jeden Tag aus. „Wenn ein Kind, das ein paar Wochen zuvor niedergeschlagen und schmerzgeplagt in die Klinik gekommen ist, wieder voller Lebensfreude auf seinem Bett herumhüpft, ist das ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt Raaul abschließend. „Das sind die Momente, für die ich diesen Job mache.“

Autorin: Linda Kauer

Arbeiten mit Kindern:
Das ist wichtig

Im Umgang mit kranken Kindern ist viel Geduld, Kreativität und Einfühlungsvermögen gefragt. Langeweile kommt hier nie auf. Eine Behandlung funktioniert aber nur, wenn sowohl Kinder als auch Eltern dem Arzt vertrauen und seine Therapiemethoden verstehen.


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