„Ich wurde manchmal unterschätzt“

Bekannt wurde Tom Buhrow als ARD-Korrespondent vor dem Weißen Haus. Heute moderiert er das wichtigste Nachrichtenmagazin im deutschen TV – die „Tagesthemen“. absolut°karriere-Redakteur Dr. Jan Philipp Burgard hat er verraten, was man als Schüler auf dem Weg zum Top-Journalisten tun muss und wer vor der Sendung seine Krawatten aussucht

Im Juni 2013 moderierte Tom Buhrow seine letzte Ausgabe der Tagesthemen. Jetzt ist er Intendant des WDR

Ab wann stand für Sie fest, dass Sie Journalist werden wollen?
Erst kurz vor dem Abitur, als ich mir Gedanken über meine Studien- und Berufsziele machen musste. Ich fragte mich, wo meine Neigungen und Talente liegen.

Warum war und ist Journalismus Ihr Traumberuf?
Es ist sehr spannend, sich täglich mit neuen Themen auseinanderzusetzen. Ein 0815-Bürojob wäre einfach nicht mein Ding gewesen. Wenn ich morgens in den Sender gehe, weiß ich nie, was genau mich im Laufe des Tages erwartet. Ich lerne viele interessante Leute kennen und komme in der Welt herum. Außerdem mag ich es, unter Zeitdruck zu arbeiten.

Ihren Eltern hat der Berufswunsch „Journalist“ aber überhaupt nicht
gefallen …

Ja, sie wollten mir meine Leidenschaft zunächst ausreden und hätten es lieber gehabt, wenn ich mich für BWL entschieden hätte.

Gut, dass Sie sich durchsetzen konnten, denn heute haben Sie einen der begehrtesten Jobs im deutschen TV. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Ich bin meinen Weg stets konsequent und mit Leidenschaft gegangen. Es ist wichtig, frühzeitig herauszufinden, wo genau die Reise hingehen soll.

Und wohin sollte die Reise bei Ihnen gehen?
Ich wusste immer, dass ich Auslandskorrespondent werden will. Und um diesen Traum zu verwirklichen, bin ich auch unbequeme Wege gegangen, habe einen sicheren Job als Moderator im WDR-Fernsehen aufgegeben und andere verführerische Angebote abgelehnt.

Was muss man als Abiturient tun, um Top-Journalist zu werden?
Viele Wege führen nach Rom. Da gibt es zum Beispiel die verschiedenen Journalismus-Studiengänge oder Journalistenschulen. Aber man kann auch, so wie ich, Politikwissenschaft und Geschichte oder etwas anderes studieren. An solch ein „journalismusfremdes“ Studium schließt dann meist eine zweijährige journalistische Ausbildung an, das so genannte Volontariat.

Ist ein Studium auch heute noch unbedingt erforderlich?
Früher gab es viele, die nicht studiert hatten, sogenannte „Quereinsteiger“. Aber heute ist es unglaublich schwer, ein Volontariat ohne Studium zu bekommen. Die Konkurrenz ist groß. Um in die engere Wahl zu kommen, braucht man in der Regel schon ein abgeschlossenes Studium – und darüber hinaus natürlich erste praktische Erfahrungen.

Wie kann ich solche Erfahrungen schon als Schüler sammeln?
Zum Beispiel bei der Schülerzeitung oder während eines Ferienpraktikums bei der Lokalzeitung. Insgesamt gilt: Je früher, desto besser. Wer wartet, bis er 30 ist und dann sagt „Ich will jetzt irgendwas mit Medien machen“ hat schlechte Karten.

Angenommen man hat jetzt als Schüler ein Praktikum bei einer Tageszeitung ergattert … Was muss man tun, um einen „Fuß in die Tür“ zu bekommen und dort später vielleicht mal als Berufsanfänger starten zu können?
In guter Erinnerung bleiben Leute, die sich nützlich machen und sich interessiert zeigen. Dabei ist die richtige Balance wichtig. Auf der einen Seite sollte man nicht nerven und schon am ersten Tag fragen, ob man mit zu einem VIP-Interview darf. Auf der anderen Seite sollte man aber auch nicht zu schüchtern sein, sondern auch mal seine Hilfe anbieten. Auch wenn es nur darum geht, ein paar Aktenordner von einem Gebäude ins andere zu schleppen oder jemandem ein Telefonat abzunehmen. Wer mit solchen kleinen Gefälligkeiten auf sich aufmerksam macht, darf sich später oft mit größeren Aufgaben bewähren.

Was macht für Sie persönlich einen guten Praktikanten aus?
Ich persönlich achte sehr stark darauf, welche Fragen jemand stellt. Denn das zeigt, ob er eine gesunde Neugier und damit eine wichtige journalistische Grundvoraussetzung mitbringt.

Was ist der größte Irrglaube, den junge Menschen vom Journalismus haben?
Dass Journalisten nur in Rio, Tokio oder Washington vor der Kamera stehen oder Politiker und Hollywood-Stars interviewen. Solche Höhepunkte sind selten. Was viele nicht sehen, sind die zahlreichen Fehlversuche. Es kommt zum Beispiel häufig vor, dass man jemandem vergeblich hinterher telefoniert, sich eine Geschichte in Luft auflöst oder ein Interviewtermin platzt. Außerdem wird der Konkurrenzkampf häufig unterschätzt: Journalismus ist der einzige Beruf in dem man sich fast mit anderen prügeln muss, um überhaupt Arbeit zu haben.

Und wie haben Sie Ihre Konkurrenten bezwungen?
Ich wurde manchmal unterschätzt, doch insgeheim wusste ich stets genau, was ich wollte.

Lässt sich so ein anstrengender Job überhaupt mit einer Familie vereinbaren?
Fakt ist, dass die Arbeitszeiten sehr unregelmäßig sind und man oft weit mehr als 40 Stunden arbeiten muss. Da ist es natürlich nicht einfach, einen Partner zu finden, der dafür Verständnis hat.

Wie sieht Ihr typischer Tag aus?
Um elf Uhr beginnen wir mit der Morgenkonferenz, in der das Programm grob umrissen wird. Danach beantworte ich Anfragen, gebe Interviews und bespreche mich mit Kollegen. Um 16 Uhr gibt es dann eine zweite Konferenz, in der wir die Tagesthemen konkret festlegen. Anschließend beginne ich mit der Vorbereitung der Sendung, schreibe meine Moderationen und gehe in die Maske. Nach der Sendung gibt es noch eine Nachbesprechung, so dass ich erst gegen halb eins nachts zu Hause bin.

Mussten Sie als junger Mann für Ihre Karriere als Auslandskorrespondent schon mal private Opfer bringen?
Zum Glück nicht. Ich wusste ganz genau, dass ich ins Ausland will. Meine Frau hat mich dabei unterstützt und meinen Traum mit mir geteilt.

Wer sucht eigentlich Ihre Krawatten und Anzüge für die Sendung aus?
In Modefragen ist meine Frau meine schärfste Kritikerin. Wir haben hier beim NDR aber auch eine Kostümberaterin, die gelegentlich einen Tipp gibt. Manchmal rufen sogar Zuschauer an und sagen: „Der Buhrow sah heute gut aus!“ oder auch „Die Krawatte passte ja gar nicht zum Anzug!“.

Haben Sie noch Lampenfieber vor der Sendung?
Nein, ich bin nur noch etwas angespannt und sehr konzentriert.

Was war Ihr persönlicher TV-Höhepunkt?
Ein Interview mit den Rolling Stones. Das war mein Ding.

Ihre Kollegin Anne Will hat die Tagesthemen verlassen, um Sabine Christiansen auf dem Thron der Politik-Talkshows zu „beerben“. Würde es Sie auch reizen, mal ein Talk-Format zu moderieren?
Ich bin mit ganzem Herzen ein Nachrichtenmann. Ich mag die hohe Geschwindigkeit, deshalb bin ich im Moment mit den Tagesthemen sehr glücklich.

Angenommen, Sie hätten einen Wunsch frei – welche Nachricht würden Sie gerne einmal verlesen?
Alle Atomwaffen werden abgeschafft.

Das Interview führte Dr. Jan Philipp Burgard

„Journalismus ist der einzige Beruf, in dem man sich fast prügeln muss, um überhaupt Arbeit zu haben.”
Auslandskorrespondent war schon immer der Traumberuf von Tom Buhrow. Dafür ist er auch unbequeme Wege gegangen.

Wie sieht es im Studio der Tagesthemen hinter den Kulissen aus? Tom Buhrow führt kurz vor der Live-Sendung durch sein Studio

In unserem Ratgeber „Wege in den Traumberuf Journalismus“ haben wir alle Tipps und Tricks von Tom Buhrow zusammengetragen.
Titel: ganz persönlich Spitzname: Tommy +++ Abi-Note: 1,8 +++ Als Kind wollte ich: Missionar werden. +++ Das macht mir Spaß: Marathon laufen, Musik hören +++ Erstes Geld verdient mit: Rasen mähen +++ Von Zuhause weg mit: 16, zum Austauschjahr in die USA +++ Lieblingsessen: Himmel un Äd (Anm.d.Red.: rheinische Spezialität)

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