Super-Model ohne Plan B

2014 gewann sie die TV-Show Germany’s Next Topmodel. Seitdem jettet sie als Model um die Welt. Uns erzählte sie von ihrer schlimmsten Minute, ihrem größten Traum und warum sie nicht an Alternativ-Pläne glaubt.

Früher schüchtern, heute Topmodel: Stefanie Giesinger lebt ihren Traum von der Modelkarriere.
Früher schüchtern, heute Topmodel: Stefanie Giesinger lebt ihren Traum von der Modelkarriere.

Als Model präsentierst du dich ständig vor Kameras. Warst du als Schülerin auch schon so selbstbewusst?
In der Schule war ich überhaupt nicht selbstbewusst. Ich hab mich nicht mal getraut, mich zu melden. Geschweige denn mit einem Lehrer zu sprechen. Selbstbewusstsein habe ich erst bei Germanys Next Topmodel (GNTM) bekommen – weil ich dort zum ersten Mal auf meinen eigenen Beinen stehen musste. Ich war schließlich 17 und vorher noch nie so lange weg von Zuhause. Das hat mir wirklich einen Schub gegeben, erwachsen zu werden.

Du bist sehr gefragt: Seit deinem Sieg vor zwei Jahren hast du viel gemodelt, in einem Musikvideo mitgespielt und eine Schmuckkollektion entworfen. Warst du in der Schule auch schon so beliebt?
Beliebt würde ich mich nicht nennen. Ich hatte nur mit vier Personen aus meiner Klasse was zu tun. Alleine wollte ich nicht mal über den Pausenhof laufen.

Und wie waren deine Noten?
Ich war schon ein kleiner Streber. Das einzige Fach, das ich gar nicht gemocht habe, war Französisch.

Während der TV-Show gingst du in die elfte Klasse. Wie haben sich Schule und Modelambitionen vertragen?
Mein Direktor hat mich während der Show total unterstützt. Er hat gesagt: Ich stelle dich so lange frei, wie du’s brauchst. Und das war ziemlich lange, weil ich ja gewonnen habe. Danach habe ich versucht, wieder in die Schule zu gehen. Ich musste die elfte Klasse wiederholen. Aber Modelkarriere und Schule haben nebeneinander nicht funktioniert. Und ich dachte: Ich kann mein Abitur auch später noch machen. Ich wollte meine berufliche Chance nutzen und habe die Schule abgebrochen.

Hast du vor, das Abitur nachzumachen?
Ich finde Abitur wichtig, weil es fürs Leben eine Absicherung ist. Aber bei mir läuft es gerade so gut und ich hätte keinen Kopf, mich an die Schulaufgaben zu setzen. Ich bin so viel unterwegs und froh, wenn ich mal meine Familie sehe, meinen Koffer auspacken und meine Kleider waschen kann. Ich glaube, wenn es ruhiger werden sollte, werde ich auf jeden Fall mein Abi machen. Aber jetzt, wo ich die Chance habe, will ich meinen Traum leben.

Träume haben oft ihren Preis. Ist Modeln ein harter Job?
Ich dachte, es wäre viel anstrengender und man müsste härter kämpfen. Es ist nicht alles super easy und es gibt auch Nächte ohne Schlaf. Aber es fällt mir total leicht. Ich habe nie das Gefühl, dass ich zu wenig schlafe oder zu wenig esse oder zu viel unterwegs bin. Ich glaube, weil ich mit dem ganzen Herzen dabei bin, genieße ich das einfach. Es gibt keinen Tag, an dem es mir auf die Nerven geht. Aber es ist wichtig, dass man ab und zu mal ganz abschaltet – auch in den sozialen Netzwerken. Meine Agentur und ich achten darauf, dass es nicht zu viel wird.

Ist dir bei deinen Jobs schon mal was richtig Peinliches passiert?
Als ich die Guido-Maria-Kretschmer-Show gelaufen bin, bin ich dauernd über mein Kleid gestolpert, weil es mir echt zu lang war. Ich weiß nicht, ob es den Leuten aufgefallen ist. Aber für mich war das wirklich die schlimmste Minute meines Lebens.

Geht dir so etwas nahe oder hast du es schnell wieder vergessen?
Leider geht mir so etwas super nah. Ich kann mich sehr gut in alte Gefühle zurückversetzen. Wenn ich jetzt dran denke, fang ich an zu schwitzen und werde rot. Ich bin eben ein totaler Perfektionist.

Was war denn dein coolster Job bisher?
Da gab es viele. Einmal bin ich in Italien auf einer Modenschau zusammen mit Victoria’s-Secret-Engeln gelaufen. Da habe ich mich fast selbst wie einer gefühlt und dachte: Jetzt bin ich diesem Traum super nah.

Was glaubst du: Wie weit bist du davon noch entfernt?
Oh Mann, ich weiß nicht. Eigentlich fühle ich mich gar nicht so weit davon entfernt. Der Chef von Victoria’s Secret folgt mir auf Instagram und hat schon meine Bilder kommentiert. Andererseits bin ich unsicher, weil sich das so viele wünschen. Ich glaube, ich muss einfach den Schritt ins Ausland wagen und sehen, was passiert – und natürlich ganz viel Sport machen.

Hast du einen Plan B, falls deine Modelkarriere nicht so weitergeht wie erhofft?
Ich finde, man sollte nie einen Plan B haben. Wenn man tut, was man liebt, sollte man die Zeit genießen – und nicht denken: „Was wäre, wenn ...“ Wenn es hart auf hart kommt, mache ich auf jeden Fall mein Abitur. Aber ich kann mir schlecht vorstellen, irgendwann etwas zu machen, bei dem ich nicht mehr modeln kann. Der TV-Bereich wäre was für mich. Schauspielern oder moderieren. Modeln ist ja schon ein bisschen wie schauspielern.

Wer dir auf Instagram folgt, sieht: Du bist viel unterwegs – wo gefällt’s dir denn am besten?
Ich liebe Los Angeles, dort war ich vorgestern noch. Da möchte ich irgendwann mal wohnen. Generell hat’s mir Amerika voll angetan. Auch New York. Ich find’s so toll, dass man dort das Gefühl hat, man könnte alles erreichen. In Deutschland heißt es irgendwann meist: Weiter geht’s nicht. In Amerika fühle ich mich total frei.

Ist schon ein Umzug geplant?
Nein, bisher noch nicht. Aber wenn es in diesem Jahr klappt, wäre das cool.

Würdest du Familie und Freunde in Deutschland nicht vermissen?
Doch, aber ich bin ja jetzt auch schon viel unterwegs. Und über Skype und Facetime kann man ja super in Kontakt bleiben. Ich freu mich eher darauf, dass ich Familie und Freunde einladen kann – und die freuen sich auch schon.

Deine „Social-Media-Familie“ ist riesig. Zwei Millionen Menschen folgen dir auf Instagram – wie fühlt sich das an?
Das ist schon komisch. Ich frage mich immer: Woher kommen diese ganzen Menschen? Aber ich sehe das natürlich als Kompliment und will auch was zurückgeben. Ich versuche täglich zu posten und etwas aus meinem Leben zu erzählen. Und es ist auch ein großes Plus für meine Karriere: Für viele Model-Jobs kommt man heutzutage nur in Frage, wenn man eine bestimmte Anzahl an Followern hat. Deshalb bin ich super dankbar, dass ich so eine Fanbase habe.

Gibt es auch Teile von dir, die du aus der Öffentlichkeit raushalten willst?
Nein, ich mache das ja sehr gerne. Außerdem ist es ein Schutz gegen Paparazzi. Wenn man offen mit seinem Leben umgeht, gibt es für die keine Storys. Natürlich würde ich nicht allen verraten, wo ich wohne.

In sozialen Netzwerken geht es nicht nur freundlich zu – wie gehst du mit Beleidigungen um?
Ich kann sehr gut damit umgehen. Mir ist es lieber, wenn Menschen das unter meine Bilder schreiben als unter andere. Ich will das auch nicht löschen lassen. So sehen andere, dass ich auch blöde Kommentare bekomme und sie nicht die einzigen sind. Ich find’s besser, dass die Leute ihren Hass auf Social Media rauslassen als in der Realität.

Das Interview führte Simon Karrer

„Ich finde, man sollte nie einen Plan B haben. Wenn man tut, was man liebt, sollte man die Zeit genießen.”
Wenn es hart auf hart kommt, will Stefanie aber dann doch ihr Abitur nachholen – als Absicherung für die Zukunft.
Im Mai 2014 gewinnt Stefanie die neunte Staffel der TV-Show Germany's next Topmodel von Heidi Klum ...
Im Mai 2014 gewinnt Stefanie die neunte Staffel der TV-Show Germany's next Topmodel von Heidi Klum ...
... Seitdem läuft sie auf großen Veranstaltungen wie der Fashion Week in Berlin und Paris.
... Seitdem läuft sie auf großen Veranstaltungen wie der Fashion Week in Berlin und Paris.
Titel: ganz persönlich Dein Lieblingsessen? Alles, was ungesund ist, schmeckt mir. 
+++ Womit kann man dir immer eine Freude machen? Kinder Bueno. +++ 
Wenn mir in der Schule langweilig war, hab ich ... natürlich mit Freunden gequatscht – und dann haben wir immer Ärger bekommen. +++ Dein größtes Vorbild? Candice Swanepoel, ein tolles natürliches Model. +++ 
Modeln ist für mich ... die große Liebe meines Lebens. +++ Dein liebstes Kleidungsstück? Oh Gott ... schwierig ... Lederjacken.
 +++ Deine größte Macke? Ich bin ein schlimmer Perfektionist.+++ Wie lange brauchst du für ein Instagram-Foto? Tagesabhängig. Manchmal wenige Minuten, manchmal eine halbe Stunde. Je mehr Menschen drauf sind, umso länger dauert es. +++ Große Angst habe ich vor ... Höhen – aber ich liebe Achterbahn­fahren. +++ Am meisten nerven mich ... unehrliche Menschen.

Weitere spannende Interviews