„Ich will Weltmeister werden!“

Sebastian Vettel ist der Shootingstar der Formel 1. Mit 21 Jahren gewann er als jüngster Fahrer aller Zeiten einen Grand Prix. In der vergangenen Saison wurde der Red-Bull-Pilot Vizeweltmeister. absolut°karriere-Redakteur Dr. Jan Philipp Burgard hat ihn in Monaco getroffen. Die Themen: Vettels Erfolgsrezept, Abi-Stress und seine Angst vor Mäusen

absolut°karriere hat Formel 1-Pilot Sebastian Vettel 2010 vor seinem ersten Weltmeistertitel zum Interview getroffen. Mittlerweile hat er den Titel schon dreimal geholt

Was macht dich nervöser: der Kampf um eine Poleposition oder deine Abiklausuren?
Definitiv die Abiklausuren. Vor einem Rennen kenne ich zumindest die Strecke, beim Abi wusste ich gar nicht, was auf mich zukam.

Wie wichtig ist ein gutes Abitur, um Formel-1-Fahrer zu werden?
(lacht) Die Abi-Note ist wohl nicht so wichtig. Was man aber in der Schule lernt, ist sich zu konzentrieren, wenn es ernst wird. Das hilft mir heute, wenn ich mit 300 Sachen auf eine Kurve zurase.

Ist es dir denn schwer gefallen, Rennsport und Schule unter einen Hut zu bringen?
Ich wundere mich auch. Schließlich war ich rund 60 Tage pro Jahr gar nicht in der Schule, sondern überall auf der Welt im Rennwagen unterwegs.

Haben deine Eltern dich bei deinem Formel-1-Traum unterstützt oder hatten sie manchmal Angst, dass die Schule zu kurz kommt?
Natürlich haben meine Eltern darauf geachtet, dass meine Noten stimmen. Aber mein Vater ist früher selbst Rennen gefahren und konnte meine Begeisterung für Geschwindigkeit absolut nachvollziehen. Ohne meine Eltern, die mir zum Beispiel bei der Sponsorensuche geholfen haben, würde ich heute nicht dort stehen, wo ich bin.

Du gehörst zu den Favoriten auf den WM-Titel (Anm.d.Red.: Das Interview wurde 2010 vor seinem ersten Weltmeistertitel geführt). Die Medien feiern dich als den neuen Michael Schumacher. Stehst du unter Druck?
Erst mal möchte ich nicht der zweite Schumacher werden, sondern der erste Vettel. Natürlich sind die Erwartungen enorm groß. Aber mein Ziel ist: Weltmeister zu werden. Da lasse ich mich durch nichts aus der Ruhe bringen.

Wie entspannst du dich vor dem Start?
Ich höre Musik oder gehe vor meinem inneren Auge jede Kurve noch mal durch. Denn nur wenn ich auf die Zehntelsekunde genau weiß, wann ich bremsen und Gas geben muss, habe ich eine Chance.

Was bedeutet Angst für dich?
Das ist eine ganz schwierige Frage. Ich habe Angst vor Mäusen. Ich fürchte mich wirklich vor den Viechern. Wovor ich keine Angst habe: schnell mit meinem Auto zu fahren.

Hast du einen Glücksbringer?
Ja. Ich trage immer ein Euro-Centstück bei mir, das ich vor meinem allerersten Formel-1-Grand-Prix in Indianapolis beim Joggen im Park gefunden habe.

Muss man als Formel-1-Fahrer genauso fit sein wie ein Fußballprofi?
Auf jeden Fall. Man darf sich einen Grand Prix nicht vorstellen wie eine Fahrt auf der Autobahn von München nach Hamburg. Es wirken enorme Kräfte auf den Körper ein und man braucht viel Kraft, um das Auto zu lenken.

Wie genau sieht dein Fitnessprogramm aus?
Mein Tag beginnt mit einem dreistündigen Ausdauertraining. Zum Beispiel Fahrradfahren, Laufen oder Schwimmen. Am Nachmittag gibt es noch eine dreistündige Session, die den Muskelaufbau fördern soll. Neben der Arbeit an Fitnessgeräten gehören dazu auch Badminton- oder Tennisspiele gegen meinen Trainer.

Und wer gewinnt?
Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass er im Badminton öfter die Nase vorn hat. Dafür zeige ich ihm beim Tennis meistens, wo es langgeht.

Wie muss man sich als Rennfahrer ernähren?
Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, denn Übergewicht kostet auf der Strecke Zeit. Vor einem Rennen esse ich meistens leichte Sachen wie Pasta, Hähnchen und Gemüse. Außerdem muss ich sehr viel trinken, denn während eines Rennens verliere ich fast drei Liter Flüssigkeit.

Du gibst deinen Rennwagen Frauennamen. Warum taufst du deine Autos?
Das hat sich vor ein paar Jahren einfach so ergeben. Letztes Jahr hatte ich „Kate“ und „Kate’s Dirty Sister“, im Jahr davor bei Toro Rosso war es „Julia“. Dieses Jahr heißt sie „Luscious Liz“, was so viel bedeutet wie „Leckere Lisbeth“.

Welchen Charakter hat denn deine Lisbeth?
Zuletzt war sie sehr zickig. In drei von fünf Rennen gab es technische Probleme, in Barcelona etwa mit den Bremsen.

Was hättest du studiert, wenn du jetzt nicht um den WM-Titel kämpfen würdest?
Auf jeden Fall etwas Technisches. Maschinenbau oder Ingenieurwesen zum Beispiel.

Was war der schönste Moment in deiner Karriere?
Als ich mein erstes Formel-1-Rennen, den Großen Preis von Italien in Monza, gewonnen habe. Es hatte geregnet und obwohl unser Auto eigentlich unterlegen war, kamen wir als erste ins Ziel. Die Bilder vom Podestplatz gehen einem nie aus dem Kopf. Wie die Leute da unten stehen, alle jubeln, die Hymne wird gesungen, man kriegt den Pokal, reißt ihn in den Himmel – es war ein fantastisches Gefühl.

Das Interview führte Dr. Jan Philipp Burgard

„Was man in der Schule lernt, ist sich zu konzentrieren. Das hilft mir heute, wenn ich mit 300 Sachen auf eine Kurve zurase”
Sebastian Vettel hat seinen Traum vom Formel-1-Rennfahrer wahr gemacht und auch das Abi gemeistert – trotz rund 60 Fehltagen pro Jahr.
Erfolgreich und glücklich: Sebastian Vettel bei der Siegerehrung in Bahrain
Dr. Jan Philipp Burgard (r.) und Moritz-Marco Schröder haben den dreimaligen Formel 1-Weltmeister Sebastian Vettel zum Interview getroffen
Gefragte Person: Trotz des Presserummels lässt sich Sebastian nicht aus der Ruhe bringen
Titel: ganz persönlich Spitzname: Seb +++ Abi-Note: 2,8 +++ Hobbies: Snowboarden, Mountainbiking, Schwimmen +++ Erstes Geld verdient mit: Siegprämien +++ Lieblingsessen: Pasta +++ Zu Hause ausgezogen mit: 19 +++ Glücksbringer: ein Euro-Centstück

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