„Du musst immer wieder aufstehen“

René Obermann ist heute Chef eines Milliardenkonzerns, der Deutschen Telekom. Zuvor, mit Anfang 20, gründete er ein eigenes Unternehmen und wurde Millionär. Welche Rolle seine Erfahrungen in einem Eishockey-Team dabei spielten, erzählt er hier

Finanziell gesehen hätte er sich schon längst zur Ruhe setzen können. Der Spaß an der Arbeit war für René Obermann ein Grund weiterzumachen

Die Deutsche Telekom kennen viele Abiturienten nur von ihrer monatlichen Handy-Rechnung oder den Werbespots im TV. Was hat Ihr Unternehmen noch zu bieten?
Sehr viel mehr! Telefonie ist nur noch ein kleiner Teil unseres Geschäfts. Wir haben 260.000 Mitarbeiter in über 50 Ländern und sind dabei, aus der Telekom eine hochmoderne, internetbasierte Multiprodukt-Company zu machen. Zudem gehören wir zu den größten Ausbildungsbetrieben Deutschlands.

Haben Sie auch mit dem Fachkräftemangel im Technik- und IT-Bereich zu kämpfen?
Ja. Das betrifft unsere ganze Branche. Wir suchen derzeit händeringend Systemelektroniker, IT-Fachleute und Produktentwickler zum Beispiel für Services wie etwa Musicload oder unser Fernsehen „Entertain“, die wir unseren Kunden im Internet anbieten.

Warum sollte man als technikbegeisterter Abiturient ausgerechnet zu Ihnen gehen?
Weil man hier direkt an der Quelle sitzt und einer der Ersten ist, die mit neuen Technologien und Internetprodukten in Berührung kommen. Wer bei uns arbeitet, hat eine der seltenen Gelegenheiten, die Zukunft mit zu gestalten – und kann etwa gemeinsam mit uns die Tür zum 3D-Fernsehen per Internet aufstoßen.

Und wie ist das Arbeitsklima bei der Telekom? Hätten Sie sich als Abiturient bei Ihnen wohl gefühlt?
Auf jeden Fall! Wir bilden derzeit über 11.000 junge Menschen aus. Es wartet also ein sehr motiviertes, offenes und kreatives Umfeld auf alle, die hier ihre Ausbildung oder ein duales Studium beginnen möchten. Ich lade jeden absolut°karriere-Leser herzlich ein, uns in Bonn in der Zentrale einmal zu besuchen und sich ein Bild von unserem Unternehmen und der guten Atmosphäre zu machen.

Sie haben zwei Töchter. Welches Studium legen Sie denen ans Herz?
Vorausgesetzt, der Wunsch und die Begabung für das Thema passen, würde ich immer naturwissenschaftliche Ausbildungen unterstützen. Aber als junger Mensch sollte man das machen, wozu man sich berufen fühlt. Findet heraus, worin Ihr besser seid als der Durchschnitt und was Euch dazu auch noch Spaß macht!

Ihr VWL-Studium in Münster haben Sie nach zwei Jahren abgebrochen ...
Ja, aber davor habe ich eine kaufmännische Ausbildung bei BMW gemacht, gleich nach der Bundeswehr.

… und mit gerade einmal 23 Jahren eine eigene Firma gegründet, die Ihnen immer mehr und mehr Zeit abverlangt hat.
Sie meinen ABC Telekom?

Ja. Was war das für ein Unternehmen?
Wir haben Mobilfunkanlagen, Autotelefone und den dazugehörigen technischen Service angeboten. Später kamen dann ganze Telefonanlagen dazu und schließlich wurden wir ein Mobilfunkprovider; so wie heute Debitel.

Die Idee Ihres Lebens! Sie haben die Firma später für fünf Millionen Euro an einen asiatischen Großkonzern verkauft
Moment! Ganz so war es nicht. Mir ging es immer darum, ein gesundes Unternehmen aufzubauen und nicht darum, mir in jungen Jahren die Taschen zu füllen. Mein Partner, die Mitarbeiter und ich haben ABC Telekom zu einem erfolgreichen und profitablen Unternehmen auf- und ausgebaut. Erst dann habe ich Schritt für Schritt meine Anteile abgegeben.

Trotzdem waren Sie danach millionenschwer. Das hätte doch sicher für ein paar Jährchen zum Relaxen gereicht, oder ...

… (lacht) … Ja, das stimmt wohl, aber dazu war und bin ich immer noch zu jung.

War das der einzige Grund? Dass Sie sich zu jung gefühlt haben?
Nein. Als ich meine Ausbildung bei BMW gemacht habe, hatte ich so viel Spaß an der Arbeit in diesem Unternehmen, dass ich manchmal am Fuß des bekannten Vierzylinder-Gebäudes in München stand und mir gesagt habe: Irgendwann möchtest Du auch mal so ein Unternehmen leiten. Das war der ausschlaggebende Punkt zum Weitermachen.

Würden Sie also sagen, dass man heute als Abiturient auf ein Studium verzichten kann und es trotzdem schafft, Top-Manager zu werden?
Ich rate zu einem Studium! Das alleine ist aber nicht alles: Ich empfehle jedem, sich während des Studiums in den Ferien zusätzlich zu engagieren. Zum Beispiel in gemeinnützigen Einrichtungen oder in betrieblichen Praktika. Wichtig ist, dass man lernt, was für eine Arbeit an der Basis gemacht wird und den Wert dieser Arbeit erkennt. Elite-Familie, Elite-Uni, Elite-Job: Das halte ich für den falschen Weg, weil zu abgehoben.

Wann haben Sie sich zuletzt geärgert, dass Sie selbst nicht studiert haben?
Immer wenn ich tolle Hochschulen für Vorträge besuche und ein wenig vom Studentenleben schnuppern kann. Dann überfällt mich der Gedanke: Ach, davon hättest du gerne noch zwei, drei Jahre mehr gehabt!

In Ihrer Jugend haben Sie in einer Eishockey-Mannschaft gespielt, bei den Krefelder Pinguinen. Auf welcher Position?
Meistens als Verteidiger.

Beim Eishockey herrscht ja ein rauer Umgang miteinander. Hat Ihnen das auf Ihrem Weg zum Telekom-Chef geholfen?
In verantwortungsvollen Positionen muss man immer kämpfen. Und immer wieder aufstehen, wenn man gefallen ist. Was das angeht, hat mir Eishockey ungemein geholfen.

Haben Sie Ihre Gegner oft gefoult?
Nee, nicht dass ich mich erinnern kann. Und wenn, würde ich es jetzt nicht zugeben ... (lacht) ...

Welche Tipps können Sie Abiturienten geben, die heute vielleicht schon eine Idee zur Gründung einer eigenen Firma haben.
Erstens: Prüfen, ob man psychisch, physisch und fachlich für die Selbständigkeit geschaffen ist: Kann man mit Unsicherheit, Stress und langen Arbeitszeiten umgehen? Zweitens: Eine konkrete Geschäftsidee finden, die auf viel Nachfrage stößt und die sich klar von der Konkurrenz auf dem Markt unterscheidet: Ist man beispielsweise besser oder günstiger als die Wettbewerber?

Und was ist der größte Fehler, den man machen kann?
Am Anfang muss man mit den Kosten und Äußerlichkeiten sehr zurückhaltend umgehen. Ich habe in meiner 36 Quadratmeter großen Studentenbude angefangen. Der Schlafbereich wurde mit einem Rollo abgetrennt und der Rest zum Büro umfunktioniert. Meine ersten Kunden haben mich auch tatsächlich dort besucht.

Wenn man sich jetzt als Abiturient sagt: Ich möchte später Chef eines DAX-Unternehmens werden. Kann man das überhaupt planen?
So eine Planung führt wohl nur zu einem verkrampften Leben. Aber man kann schon frühzeitig darauf hinarbeiten, dass man später einmal einen verantwortungsvollen Job oder auch eine gestaltende Rolle in Politik, Wirtschaft, Kultur oder beispielsweise Medizin übernimmt.

Und was muss man dafür tun?
Das klingt jetzt sicher besserwisserisch, aber: Als erstes muss man die Schule sehr ernst nehmen.

Hatten Sie diese Sichtweise denn auch schon als angehender Abiturient?
Nein! ... (lacht) … Aber darum habe ich ja selber auch nur ein mittelmäßiges Abitur gemacht. Spaß beiseite: Findet schon während der Schulzeit heraus, wo Ihr beruflich mal hinwollt und nutzt die Ferien, um Schülerpraktika zu machen.

Hand aufs Herz: Welches Opfer müssen Sie für Ihre Karriere bringen, das ihnen am meisten weh tut?
Ich wünschte mir mehr Zeit für meine Kinder und meine Lebensgefährtin.

Das Interview führten Moritz-Marco Schröder und Max Grün

„Findet heraus, worin ihr besser seid als der Durchschnitt und was euch dazu auch noch Spaß macht!”
René Obermann hat schon im Alter von 23 Jahren ein eigenes Unternehmen gegründet. Heute sitzt er an der Spitze der Deutschen Telekom.
Ein abgeschlossenes Studium ist nicht alles. René Obermann weiß: Um Top-Manager zu werden, muss man immer eins drauflegen
Moritz-Marco Schröder (r.) und Max Grün trafen Telekom-Chef Obermann in der Konzernzentrale in Bonn
Die Deutsche Telekom ist mittlerweile in 50 Ländern präsent. Der Hauptsitz des Unternehmens ist aber immer noch in Bonn
Titel: ganz persönlich Spitzname: Rick (aber das ist schon ewig her) +++ Abi-Notendurchschnitt: mittelmäßig +++ Hobbys: Laufen, Motorrad fahren und Trommeln +++ Erstes Geld verdient: Als Schüler habe ich in der kleinen Druckerei meines Opas gejobbt +++ Lieblingsessen: Currywurst +++ Zu Hause ausgezogen mit: 19 Jahren +++ Lieblingsfächer in der Schule: Geschichte und Französisch +++ Als Kind wollte ich: Medizin studieren +++ Lied, zuletzt von iTunes heruntergeladen: „Raver“ von Burial, einem britischen Dubstep-Musiker 

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