„Fernsehjournalismus ist viel mehr,
als gut auszusehen“

Fünf Millionen Fernsehzuschauern erklärt Peter Kloeppel jeden Abend auf RTL die News des Tages. Mehrfach wurde er zum beliebtesten Nachrichten-Moderator Deutschlands gekürt und für seine Berichterstattung mit dem Grimme-Preis geehrt. Mit absolut°karriere-Redakteur Dr. Jan Philipp Burgard sprach er über seinen Weg zum Erfolg, seine größte Panne im TV und über die Karrierechancen der Absolventen seiner RTL-Journalistenschule

Peter Kloeppel ist nicht nur Chefredakteur bei RTL, sondern auch Direktor der „RTL Journalistenschule für TV und Multimedia“, die er 2001 selbst gründete

Herr Kloeppel, Sie haben Agrarwissenschaften studiert und Ihre Diplomarbeit über das Verhalten von Zuchtschweinen geschrieben. Woher der Sinneswandel zum Journalismus?
Der Wandel im Kopf fand ziemlich früh statt und war auch kein wirklicher Wandel, sondern mehr eine Fokussierung. Ich wollte nie Bauer werden, sondern eher in die Forschung oder Lehre gehen. Weil ich aber auch immer gerne geschrieben habe, merkte ich während des Studiums, dass es vielleicht auch Sinn machen würde, sich um eine Autorentätigkeit bei einer der vielen Agrar-Fachzeitschriften zu bemühen. Als ich mit dem Studium fertig war, hatte ich das Glück, einen Platz an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg zu bekommen. Während dieser Ausbildung wollte ich weiterhin Agrar-Journalist werden, bis ich dann bei RTL in Luxemburg mein letztes Praktikum absolvierte – da eröffnete sich mir mit dem Fernsehen eine völlig neue Welt.

Wäre solch ein Quereinstieg heute überhaupt noch möglich?
Ja, ich empfehle den Leuten sogar, etwas Außergewöhnliches zu studieren und nicht unbedingt die Klassiker wie Germanistik oder Literaturwissenschaften. Auf der RTL-Journalistenschule haben wir zum Beispiel einige Schüler, die Medizin studiert haben. Solche Fachleute werden in der Medienbranche immer begehrter. Die Welt wird immer komplizierter, und wir brauchen Journalisten, die uns diese komplizierte Welt erklären können.

Was würden Sie heute studieren, wenn Sie noch einmal die Wahl hätten?
Als ich in den späten siebziger Jahren mein Studium begann, war ich sehr stark von diesem „grünen Aufbruchsgefühl“ geprägt, man unterhielt sich viel über Umwelt und Naturschutz. Deshalb war es damals auch ein bisschen „trendy“, Landwirtschaft zu studieren. Dennoch habe ich meine Wahl nie bereut. Auch heute würde ich wieder etwas studieren, das mir Spaß macht – zum Beispiel Geschichte. Es ist wichtig, dass bei der Studienwahl nicht nur die Karriere im Vordergrund steht, sondern auch der Spaß an der Arbeit.

Macht der Berufswunsch „Journalist“ angesichts der Medienkrise überhaupt noch Sinn?
Der Wunsch, Journalist zu werden, bleibt heutzutage zwar tatsächlich oft ein Wunsch. Aber wenn man Interesse und Spaß an diesem Beruf hat und gerne schreibt, recherchiert und Menschen trifft, wäre es eine Dummheit, zu sagen: „Das ist mir zu kompliziert, deswegen mache ich es nicht“.

Wie kann man sich als Nachwuchsjournalist von der riesigen Konkurrenz abheben?
Man sollte vor allen Dingen flexibel sein. Man sollte nicht auf ein Medium festgelegt sein oder nur in einer bestimmten Region in Deutschland arbeiten wollen. Auch eine zu frühe Festlegung auf ein bestimmtes Themengebiet, in dem man gerne journalistisch arbeiten möchte, ist nicht ratsam. Außerdem sollte man mindestens zwei oder besser drei Fremdsprachen beherrschen und Erfahrungen im Ausland gesammelt haben. Man sollte sich auch nicht von den Zukunfts-Schreckensgemälden einschüchtern lassen, die einem immer wieder vorgehalten werden. Wir haben immer noch ein gutes Schulsystem und viele talentierte junge Leute, die etwas bewegen können – und müssen!

Sie wurden mehrfach zum beliebtesten Nachrichtenmann Deutschlands gekürt und für Ihre Berichterstattung über den 11. September mit dem Grimme-Preis geehrt. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsrezept?
Mit Sicherheit eine gute Ausbildung. Ich habe mich auch nie vor der Arbeit gedrückt, sondern mehr gearbeitet, als man musste. Außerdem habe ich mir teilweise unbequeme Themen gesucht. Man muss auch mal schwierige Wege gehen und sich trauen, Sachen anzugehen, die andere nicht machen. Als ich 1985 zu RTL ging, war das ein großes Risiko, weil niemand so recht wusste, was aus dem Privatfernsehen wird. Aber ich war jung und habe das Risiko angenommen - es hat sich gelohnt.

Welche Eigenschaften braucht ein Nachwuchsjournalist, um bei der RTL-Journalistenschule angenommen zu werden?
Er oder sie sollte gut und gerne schreiben können, eine fundierte Allgemeinbildung besitzen, mit dem Medium Fernsehen etwas anfangen können und sich für Medien insgesamt interessieren. Wer dann noch mit einem gewissen Grundselbstbewusstsein ausgestattet ist und die Jury mit einer wachen Auffassungsgabe überzeugt, der hat eine gute Chance, aufgenommen zu werden.

Wie sieht ein Praktikum bei RTL aktuell aus?
Ein Praktikant bei RTL bekommt einen Eindruck, wie die News-Redaktion eines großen Senders überhaupt funktioniert. Es ist mit Sicherheit keine „Anleitung“ zum Berufsleben. Denn wir produzieren etwas, das von fünf Millionen Leuten angeschaut wird – da können wir die Praktikanten nicht einfach mal irgendwas ausprobieren lassen. Deshalb empfehle ich „Anfängern“, eher zu einer lokalen Tageszeitung zu gehen, wo man auch als Praktikant recherchieren und schreiben kann.

Welche Karrierechancen geben Sie als Chefredakteur und Leiter der RTL-Journalistenschule „Ihren“ Absolventen?
Wir haben alle zwei Jahre 30 Absolventen, rund die Hälfte davon arbeitet weiter bei RTL oder einem unserer Tochterunternehmen. Einige davon haben schon tolle Karrieren hingelegt und arbeiten hier in der Redaktion in wichtigen Positionen oder als Korrespondenten in Hamburg, Berlin und Paris.

Haben attraktive Frauen die besseren Chancen, den Sprung vor die Kamera zu schaffen?
Attraktivität ist ja sehr subjektiv – ein hübsches Gesicht allein reicht nicht. Wir nehmen Leute, Männer und Frauen, die sich mit ihrem Job identifizieren und ihre Arbeit gut machen. Das ist das Entscheidende, nicht das Geschlecht. Fernsehjournalismus ist viel mehr, als gut auszusehen.

Kritische Stimmen behaupten, die „Banalisierung der Nachrichten“ im Privatfernsehen habe mit Journalismus nicht mehr viel zu tun. Trifft Sie solche Kritik?
Nein, überhaupt nicht. Jeder Journalist hat eine unterschiedliche Vorstellung davon, wie Nachrichten auszusehen haben und wie Fernsehen überhaupt auszusehen hat. Das Schöne an der Medienlandschaft in Deutschland ist doch, dass jeder sich aussuchen kann, was er gerne lesen, hören oder im TV sehen möchte. Es gibt viele Menschen, die RTL aktuell jeden Abend einschalten, und es gibt viele Menschen, die abends die Tagesschau einschalten. Was für den einen banal ist, ist dem anderen wichtig, und was dem einen wichtig erscheint, ist für den anderen banal.

Von Ihren Mitarbeitern hört man, Sie seien ein auffallend harmonischer Mensch. Als Anchorman und Chefredakteur tragen Sie ein hohes Maß an Verantwortung und stehen oft unter Zeitdruck. Wie bewältigen Sie den täglichen Stress?
Ich bin keiner, der Stress und Streit sucht. Vielmehr versuche ich Probleme so zu lösen, dass am Ende beide Seiten mit der Lösung leben können. Den täglichen Stress versuche ich zu kanalisieren, versuche mit einem 11 Stunden-Tag auszukommen. Außerdem habe ich den Vorteil, dass ich seit ziemlich langer Zeit Fernsehen mache und seit 14 Jahren RTL aktuell moderiere. Da sind Momente hoher Anspannung nicht mehr neu für mich. Privat entspanne ich mich im Kreise meiner Familie, jogge und fahre im Winter gerne Ski.

Hätten Sie als Chefredakteur einer deutschen Tageszeitung die Mohammed-Karikaturen gedruckt?
Man kann solche Karikaturen nicht drucken, ohne sie zu erklären. Man darf sie aber auch nicht verschweigen. Ich denke, dass man nicht alle, sondern durchaus die ein oder andere drucken konnte. Nicht um zu provozieren, sondern um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Bild von der Problematik zu machen.

Was war Ihr schönster Fernsehmoment als Anchorman?
Als wir am 31. Dezember 1999 vor dem Brandenburger Tor auf Sendung gegangen sind und 24 Stunden lang die unterschiedlichsten Zeitzonen bei ihrem Rutsch ins neue Jahrtausend vorgestellt haben. Das war zwar anstrengend, aber ich konnte die Welt immer wieder schrittchenweise ins neue Jahrtausend führen. Das waren tolle Momente. Als Reporter war es für mich auch beeindruckend, als ich im Herbst 1989 am Brandenburger Tor stand, als die Mauer geöffnet wurde. Da nicht einfach nur zu erzählen, was passiert, sondern auch zu fühlen, was die Menschen bewegt, war ein besonderes Erlebnis.

Verraten Sie uns auch Ihre größte Fernseh-Panne?
Meine größte Panne liegt Gottseidank schon viele Jahre zurück. In meinem ersten Jahr bei RTL habe ich mal bei Beginn der Sendung auf meinem Mikrofon gesessen. Ich hatte vergessen, mir das Mikro anzustecken, und es lag noch auf meinem Stuhl. Als ich den gedämpften Ton bemerkte, habe ich mich kurz entschuldigt und dann ging es weiter...

Angenommen, Sie hätten einen Wunsch frei: Welche Nachrichten würden Sie gerne einmal verlesen?
Da gibt es eine ganze Menge, was ich gerne verlesen würde: „Keine Arbeitslosen mehr in Deutschland“ oder „Staatsverschuldung auf Null“ zum Beispiel. Immer wenn sich etwas zum Guten gewendet hat, ist das eine schöne Nachricht. Leider gibt es das viel zu selten.

Das Interview führte Dr. Jan Philipp Burgard

„Es ist wichtig, dass bei der Studienwahl nicht nur die Karriere im Vordergrund steht, sondern auch der Spaß an der Arbeit.”
Genau deswegen hat Peter Kloeppel Agrarwissenschaften studiert. Heute ist er einer der beliebtesten Nachrichten-Moderatoren Deutschlands.

Konferenzen, Themensammlung und Planung. Peter Kloeppel erzählt euch, wie sein Alltag als Chefredakteur bei RTL aussieht

Die Moderation der Nachrichten bei RTL ist nur eine von vielen Aufgaben, die Peter Kloeppel täglich meistert
Praxiserfahrung ist für angehende Journalisten wichtig. Peter Kloeppel hat unserem Redaktuer Dr. Jan Philipp Burgard (l.) verraten, welche Punkte für den Berufsstart nützlich sind
Peter Kloeppel hat sich in der Ausbildung auch mal unbequeme Themen gesucht. Heute hat er bei der RTL Aktuell Redaktionssitzung das Sagen
Titel: ganz persönlich Spitzname: Nicht, dass ich wüsste +++ Abi-Note: 2,0 +++ Als Kind wollte ich: Astronaut werden +++ Das macht mir Spaß: Verreisen, Familie, Kochen, Skifahren +++ Erstes Geld verdient als: Putzmann im Büro meines Vaters +++ Lieblingsessen: Kaiserschmarren
In unserem Buch „Wege in den Traumberuf Journalismus“ verrät Peter Kloeppel noch mehr Geheimnisse über den erfolgreichen Start in die Karriere als Journalist.

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