„Ohne eine ordentliche Ausbildung
braucht man erst gar nicht bei einem
Casting vorzusprechen!“

Man kennt ihn aus TV-Serien wie „Forsthaus Falkenau“ oder „Der Bergdoktor“. Aber keiner weiß, dass Schauspieler Norbert Gastell ein Doppelleben führt: Regelmäßig schlüpft er in die Rolle der weltberühmten Comic-Figur Homer Simpson. absolut°karriere besucht den deutschen Homer in München

Millionen lieben ihn, nur wenige kennen ihn: Norbert Gastell ist seit 12 Jahren Synchronsprecher von Homer Simpson

Herr Gastell, wie sind Sie zum Synchronsprechen gekommen?
Kurz vor meinem Abitur habe ich das Gymnasium abgebrochen, um auf die Schauspielschule gehen zu können. Nicht mal meine Mutter hat etwas davon gewusst. Eines Tages hat sie einen Brief vom Wittelsbacher-Gymnasium hier in München bekommen, in dem stand, dass ich schon seit vier Wochen nicht mehr am Unterricht teilnehmen würde. Inzwischen habe ich an fast allen großen Münchner Theatern und in einigen Filmen mitgespielt. Und da der Beruf des Synchronsprechers auch in diese Sparte fällt, hat man mich einfach mal gefragt, ob ich Lust hätte, das zu machen.

Warum gerade die Rolle als Homer Simpson?
Ganz einfach: Sie haben einen Typen gesucht, der so ähnlich aussieht wie Homer.

Aber Ihre Stimme klingt ja gar nicht so wie die von Homer.
Mir ist es noch nie passiert, dass ich im richtigen Leben in eine von mir gesprochene Rolle verfallen bin. Ich habe noch nie eine Figur gesprochen, die meiner wirklichen Stimme ähnlich ist.

Ist es anstrengend für Sie, die Stimme während der Aufnahmen in der Homer-Tonlage zu halten?
Bei Homer muss ich mich schon sehr konzentrieren. Aber genau das ist die Kunst, die man in der Sprachausbildung lernt.

Wie würden Sie Homer charakterisieren?
Homer ist ein liebenswerter Versager. Ich mag ihn sehr gerne und es macht viel Spaß ihn zu sprechen.

Sind Sie ein richtiger Simpsons-Fan?
Ja, aber erst mit der Zeit geworden. Ich musste mich an sie gewöhnen. Bei den Simpsons gibt es keinen Mittelweg. Entweder mag man sie sehr gerne oder kann gar nichts mit ihnen anfangen.

Was raten Sie Abiturienten, die auch in Richtung Schauspielerei wollen?
Den Besuch einer renommierten Schauspielschule. Die Aufnahmeprüfungen sind zwar sehr hart, aber ohne eine ordentliche Ausbildung braucht man erst gar nicht bei einem Casting vorzusprechen. Das gehört eben dazu, wenn man Schauspieler werden will.

War Homer Simpson Ihre erste Synchronrolle?
Nein, ich spreche seit über 30 Jahren. Mittlerweile so ungefähr 120 Filme pro Jahr. Bei den Simpsons bin ich seit zwölf Jahren dabei, also von Anfang an. Inzwischen gibt es über 250 Folgen.

Macht Ihnen Ihr Beruf nach all den Jahren überhaupt noch Spaß?
Ja, sicher! Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Das ist das Schönste der Welt. Es bedeutet aber nicht, dass ich nur rund um die Uhr Witze mache und herumalbere. Ich muss auch sehr hart arbeiten.

Wären Sie traurig, wenn die Simpsons in Deutschland abgesetzt würden?
Ja, das wäre ich schon. Denn es macht mir viel Spaß und es steckt jede Menge Arbeit von mir in den Simpsons. Es hat in Deutschland relativ lange gedauert, bis sich die Simpsons zu einer Kultserie entwickelt haben. Die Menschen mussten sich erst an den besonderen Humor gewöhnen. Der Erfolg hat uns alle sehr überrascht. Es kam ja zu einem richtigen Simpsons-Boom. Ich hatte viele Live-Interviews auf verschiedenen Sendern und Autogramm-Aktionen.

Der Boom hat Sie also auch persönlich erreicht?
Aber ja! Als im Comic zur Serie mein Name und meine Adresse abgedruckt wurden, habe ich jede Menge Fan-Post und Anrufe erhalten. Einmal hat mich ein junger, leicht angetrunkener Mann nachts um halb eins angerufen und erzählt, dass er Geburtstag hat und sich so gerne mal mit Homer unterhalten möchte. Wer kann da schon böse sein?

Was war die größte Niederlage in Ihrem Leben?

(muss lange überlegen)... Karin Heyn (seine Frau): Doch, Norbert, hör mal! Mir fällt da eine Niederlage von Dir ein: Erinnerst du Dich noch daran, als du zusammen mit unserem Gartentor umgefallen bist? (lacht laut)... Die Scharniere waren kaputt. Ich wollte gerade in unseren Garten gehen und habe mich auf der Klinke abgestützt. Plötzlich machte es „Bumm“ und ich lag mit dem Gartentor in unserer Wiese (zeigt auf die kleine Narbe an seiner Stirn)...

Seit zehn Jahren hast du nur Erfolge. Unter uns: Wie kann man dich besiegen? Wann wirst du schwach?
Ich wüsste schon wie. Aber das bleibt mein Geheimnis. Tretet doch mal gegen mich an und findet es heraus...!

Beruflich gesehen hast du nicht den sichersten Weg gewählt. Was empfiehlst du anderen jungen Menschen, die auch einen außergewöhnlichen Traum haben und ihn verwirklichen wollen?
Einen Rat möchte ich jedem mit auf den Weg geben: Nichts ist so unsicher wie das Boxen oder andere Profi-Sportarten. Gerade in der heutigen Zeit. Deshalb ist eine Ausbildung total wichtig. Wenn man die erfolgreich abgeschlossen hat, kann man das Risiko immer noch eingehen. Aber ohne Schulabschluss und Ausbildung ... keine Chance!

Das Interview führten Max Grün und Moritz-Marco Schröder

„Bei den Simpsons gibt es keinen Mittelweg. Entweder mag man sie sehr gerne oder kann gar nichts mit ihnen anfangen.”
Auch Norbert Gastell musste erst an den besonderen Humor gewöhnen. Jetzt ist er aber selbst ein großer Fan von Homer, dem er seine Stimme gibt.
Seit 1991 gibt es die gelbe Familie im deutschen Fernsehen. Für Lacher sorgt Homer Simpson, der „liebenswerte Versager“
Titel: ganz persönlich Spitzname: 
Marge nennt mich „Homie“ 
+++ Als Kind wollte ich: 
Es herrschte Krieg. Da hat sich keiner Gedanken über seine berufliche Zukunft gemacht. 
+++ Das macht mir Spaß: 
Lesen, Musik, Reisen, Schreinern 
+++ Erstes Geld verdient mit: 
14 Jahren, 1945 als Dolmetscher für die Amerikaner in einem Lebensmittellager 
+++ Haustier: 
Ich habe zwei Perserkatzen: Viola und Hewita. 
+++ Lieblingsessen: 
Ich koche sehr gerne. Mir schmeckt alles, wenn es richtig zubereitet ist. 
+++ Abi-Note: 
Ich habe das Gymnasium noch vor meinem Abi abgebrochen, um auf die Schauspielschule zu gehen.

Weitere spannende Interviews