„Von Emu und Känguru
können wir was lernen!“

Der deutsche Botschafter Dr. Michael Witter im Interview. Den absolut°karriere-Redakteuren Dr. Jan Philipp Burgard und Moritz-Marco Schröder hat er verraten, was man in Australien lernen kann und wie man Diplomat wird

Michael Witter hat nicht geplant Botschafter zu werden. Auch heute gibt es dreißig Mal so viele Bewerber wie freie Stellen

Stimmt es, dass man als Botschafter den größten Teil seiner Zeit cocktailtrinkend auf Empfängen verbringt?

(lacht) Oh Gott, der Auswärtige Dienst wird dieses Klischee einfach nicht los.

Aha, ein Klischee also?
Empfänge sind auch - aber nur ein Teil meiner Arbeit. Das Knüpfen von Kontakten ist wichtig. Denn in meinem Beruf geht es auch darum, Informationen über Deutschland in das Gastland zu tragen und umgekehrt Informationen aufzunehmen. Deutschland ist zum Beispiel ein Land mit vielen technologischen Innovationen, Ideen und führend im Klimaschutz. Das wollen wir vermitteln. Aber ich verbringe auch viele Stunden mit Aktenordnern am Schreibtisch.

Was für Akten sind das?
Heute zum Beispiel beschäftige ich mich mit Berichten über die Terrorismus-Bedrohung in Australien, Freihandelsabkommen und der Förderung von Kultur-Projekten. Den Umgang mit Akten habe ich schon in meinem Jura–Studium gelernt. Genauso wie abstraktes Denken. Das hilft!

Sollte man also Jura studieren, um Diplomat in einem fernen Land zu werden?
Man kann, aber man muss es nicht. Wichtig ist, dass man seinen Neigungen und Stärken folgt. Das Auswärtige Amt sucht Leute mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Ich habe Kolleginnen und Kollegen, die Wirtschaftswissenschaftler, Politologen, Historiker oder sogar Mediziner, aber natürlich auch Juristen sind. Im Übrigen kann man sich nach bestandenem Abitur auch direkt für eine Laufbahn des gehobenen Auswärtigen Dienstes bewerben. Dies ist eine attraktive Karrierealternative zum Studium an der Uni.

Was kann ich denn bereits als Schüler tun, um mich auf die Laufbahn im Auswärtigen Dienst vorzubereiten?
Interessiert Euch für fremde Kulturen! Lest Zeitung, um zu wissen, was in der Welt passiert. Auch ein gewisses Sprachtalent ist wichtig. Neben Englisch solltet Ihr noch eine zweite Fremdsprache sehr gut beherrschen. Gerne gesehen werden bei den Auswahlverfahren auch „exotischere“ Sprachkenntnisse, zum Beispiel in Japanisch, Chinesisch, Russisch oder Arabisch.

Ist es denn überhaupt planbar, irgendwann einmal Botschafter zu werden?
Nein, absolut nicht. Ich rate auch dringend davon ab, sich schon mit 17 Jahren nur auf eine Karriere beim Auswärtigen Amt festzulegen. Es ist wichtig, sich verschiedene berufliche Optionen zu schaffen. Denn es gibt ungefähr dreißig Mal so viele Bewerber wie freie Stellen.

Sie haben schon in Kanada, Belgien, Griechenland, Paraguay, Indonesien und Australien gearbeitet. Wo hat es Ihnen am besten gefallen?
Überall - eine besonders spannende Zeit hatte ich in Indonesien, wo ich in nur drei Jahren drei verschiedene Regierungen und viele Umwälzungen erlebt habe. Tausende Menschen gingen auf die Straße, es brodelte. Aber auch die anderen Stationen waren spannend und Australien begeistert mich.

Begeistert sind auch Tausende deutsche Abiturienten, die es jedes Jahr nach Australien zieht. Was können junge Deutsche in Australien lernen?
Ihr könnt die Flexibilität lernen, Euch ständig an neue Situationen anzupassen. Zum Beispiel, wenn Ihr „Work & Travel“ macht und mal einen Job annehmt, der auf den ersten Blick nicht so viel Spaß macht. Auch Euer Englisch und Euer Verständnis für andere Kulturen werden sich verbessern.

Was macht die Anziehungskraft von Australien aus?
Australien ist ein großes Abenteuer. Schüler aus der ganzen Welt kommen hierher, um nach dem Schulabschluss ihre Freiheit zu genießen. Man kann hier romantische Strände und grenzenlose Wüste erkunden. Nicht zuletzt ist die leichtgängige und pragmatische Lebensart der Australier ansteckend, die im Wappen Australiens Ausdruck findet: Das Emu und das Känguru – zwei Tiere, die nicht rückwärtsgehen können, sondern vorwärts gewandt sind.

Das Interview führten Dr. Jan Philipp Burgard und Moritz-Marco Schröder

„Wichtig ist, dass man seinen Neigungen und Stärken folgt. Das Auswärtige Amt sucht Leute mit den unterschiedlichsten Hintergründen.”
Michael Witter hat Jura studiert. Diplomaten kommen aber auch aus Wirtschaft, Politik und sogar Medizin.

absolut°karriere hat Michael Witter in Canberra getroffen. Im Video erzählt euch der Deutsche Botschafter, warum Australien nach dem Abi eine Reise wert ist

Botschafter Michael Witter im Interview mit Dr. Jan Philipp Burgard
Michael Witter lebt das „Abenteuer Australien“. Ein sonniges Plätzchen ist ihm bei der Deutschen Botschaft in Australien sicher
Titel: ganz persönlich Abi-Notendurchschnitt: 
2,3 +++ 
Als Kind wollte ich: 
Wasserschutzpolizist werden +++ 
Das macht mir Spaß: 
Spaziergänge mit meiner Frau und unserem Fox-Terrier „Winston“ 
+++ Lieblingsessen: 
Thüringer Klöße mit Gänsebraten
 +++ Zu Hause ausgezogen mit: 
19, zum Studium nach Marburg 
+++ Letzte CD, die ich mir gekauft habe: 
Best of Beatles
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