„In meinem Büro stehen unzählige
Champagner-Flaschen“

Mit Pierce Brosnan und Kate Winslet ist er „per du“. Miss Puerto Rico ist seine Freundin und seine Film-Produktionsfirma „Infinity“ hat schon 500 Millionen Euro eingespielt: Der Düsseldorfer Michael Ohoven ist mit erst 30 Jahren einer der erfolgreichsten deutschen Filmproduzenten in Hollywood. Uns hat er verraten, was einen erfolgreichen Film ausmacht

Michael Ohoven mit seiner Frau Joyce Giraud auf dem Roten Teppich zur 78. Oscar-Preisverleihung. Als Produzent ist er immer auf der Suche nach brandheißen Filmthemen

WMichael, bitte erkläre kurz: Was macht ein Film-Produzent überhaupt?
Im Prinzip sucht er zuerst einmal nach filmreifem Stoff. Das kann ein fertiges Drehbuch, ein Roman oder auch nur eine Idee sein. In meiner Produktionsfirma gibt es ein professionelles Entwicklungsteam, das ständig auf der Suche nach Material ist, von dem wir denken, dass es einen Regisseur begeistert, die gewünschte schauspielerische Besetzung – auch „Cast“ genannt – gewinnt und Investoren überzeugt. Der Produzent ist also – wenn man so will – derjenige, der von der ersten bis zur letzten Stunde die organisatorischen und kaufmännischen Strippen in der Hand hält. Der zunächst die Stoffrechte erwirbt, den Schriftsteller, dann den Regisseur und später die Schauspieler engagiert.

Woran erkennst du, dass ein Drehbuch oder eine Idee das Zeug zum Kassenschlager hat?
Bei uns gehen jeden Tag an die 50 Drehbücher ein. Und die wollen alle von meinem Team und mir geprüft werden. Die absolute Erfolgsformel gibt es dabei nicht. Im Fall von Capote haben alle Beteiligten in meiner Firma sofort gespürt: Das ganze Skript ist so vielschichtig, hat so viele Facetten und eine solch starke Aussage. Von Anfang war klar: Das müssen wir einfach machen! Und siehe da: Die Rechnung ist aufgegangen. Trotzdem kann es immer passieren, dass man den größten Regisseur, die beste Cast, den talentiertesten Scriptwriter beisammen hat und der Film trotzdem floppt. Gerade in unserem Bereich – die 5-10 Mio.-Dollar-Produktionen – muss man immer ein Alleinstellungsmerkmal finden, das den Film einzigartig und faszinierend macht. Ansonsten kann man nur sehr schwer oder gar nicht mit den 80-100 Mio.-Dollar-Studio-Produktionen konkurrieren.

Wie gewinnst du Schauspielgrößen wie Pierce Brosnan für deine neuen Filmprojekte?
Im Endeffekt machst du nichts anderes, als knallhart zu verkaufen. Wenn du das vielversprechendste Projekt hast und nicht in der Lage bist, den Regisseur, das Studio und die Schauspieler davon zu überzeugen, dann ist alle Mühe vergebens. Große Schauspieler arbeiten ja nicht nur der Gage wegen. Sie investieren vier oder fünf Monate ihres Lebens und haben einen Ruf zu verlieren. Es reicht also nicht, zu sagen: „Okay, ich lege eine Menge Geld auf den Tisch und dafür werden die den Film schon abdrehen. Egal, ob sie wollen oder nicht.“ Tauchst du als Schauspieler öfter in schlechten Produktionen auf, sinkt dein Marktwert dramatisch und niemand will dich mehr buchen.

Was ist das Worst-Case-Szenario bei einer Filmproduktion?
Da gibt es eine ganze Menge! Produktion bedeutet eigentlich immer worst case (lacht). Daher ist Film in meinen Augen auch die härteste Branche überhaupt. Es gibt beispielsweise Momente, in denen du deinen Regisseur am liebsten auf der Stelle feuern würdest, die Drehtage oder das Budget nicht einhalten kannst, deine Cast krank wird, dein Studio abspringt oder der Regisseur wegen eines Nervenzusammenbruchs aussetzen muss. Letzten Endes musst du das alles bewältigen können und immer einen Plan B haben.

Erste „Hollywood-Luft“ hast du bei RTL geschnuppert. Da warst du noch BWL-Student. Was war dein Schlüsselerlebnis? Wann hast du gesagt: Wow! Film, das ist genau mein Ding!?
Das Ambiente bei RTL hat mir wahnsinnig gut gefallen. Zwar ist die Branche ein Haifischbecken und es wird knallhart gearbeitet, aber gerade die entkrampften Umgangsformen und der Ton dabei haben mich unheimlich fasziniert. Auch habe ich bei RTL gelernt, dass die Medienbranche extrem dynamisch, jung und kreativ ist. Am Rande bekam ich da auch Diskussionen über die so genannten „Majors“ mit. Das sind die großen Hollywoodstudios, damals ging es um riesige Filmpakete mit dreistelligen Millionenbeträgen. Das ganze Filmbusiness hat mich einfach begeistert und magisch angezogen.

Wie hat der Oscar dein Leben verändert?
Allein seit der Oscar-Nominierung hat sich einiges verändert! Bis dahin dachte ich: Mensch, dir stehen schon alle Türen weit offen. Aber schon kurz nach der Nominierung habe ich gemerkt: Da geht noch einiges mehr! Normalerweise versucht man ja von sich aus potenzielle Investoren zu überzeugen. Heute ist es so, dass diese Investoren und vor allem auch die Studios bei mir anrufen und fragen: „Hey Michael, hast du nicht Lust auf dieses oder jenes Projekt, wir würden es gerne für dich finanzieren?“. Und das sind natürlich ganz neue Dimensionen.

Über welche Oscar-Gratulation hast du dich am meisten gefreut?
In meinem Büro stehen unzählige Flaschen Champagner von Produktionskollegen und Schauspielern wie Pierce Brosnan. Beispielsweise hat mir auch Dustin Hoffmann persönlich gratuliert. Aber der schönste Moment war, als Jack Nicholson – den ich persönlich sehr verehre – bei der Oscarverleihung meinen Namen fast akzentfrei aufgerufen hat. Auf der Afterparty saß ich dann mit ihm an einem Tisch und habe ihm für die perfekte Aussprache gedankt. Diesen witzigen Moment habe ich sehr genossen.

Du hast viel am Hals, bist laufend unterwegs. Was ist dein persönlicher Anti-Stress-Tipp?
Da muss ich ganz ehrlich sein. du kannst allen Stress dieser Welt bewältigen, wenn dir dein Job Spaß macht. In meinen letzten sechs Jahren gab es so gut wie keinen Urlaub und relativ wenig Freizeit. Aber mir macht die Arbeit im Filmbereich so viel Spaß, dass ich das wunderbar wegstecken kann. Wenn ich mal zuhause bin und wirklich abschalten will, lese ich meine Skripts oder beschäftige mich auch mal mit Dingen, die überhaupt nichts mit Filmen zu tun haben. Heute Morgen war ich beispielsweise im Fitness-Studio und wollte meine guten Vorsätze mal wieder in die Tat umsetzen (lacht).

Welche Art von Filmen magst du am liebsten? Welcher deutsche Film ist dein Favorit?
In aller Regel habe ich eher eine Passion für Filme, bei denen man ins Nachdenken gerät und nicht für solche wie „King Kong“ oder „Star Wars“. Ganz besonders faszinieren mich Filme, die auf einer wahren Begebenheit beruhen. „Der Untergang“ finde ich beispielsweise grandios. Für mich ist das einer der besten deutschen Filme überhaupt.

Das Interview führten Max Grün und Moritz-Marco Schröder

„Du kannst allen Stress dieser Welt bewältigen, wenn dir dein Job Spaß macht.”
Es hat sich gelohnt. Viel Freizeit hatte Michael Ohoven in den letzten Jahren zwar nicht, dafür steht jetzt ein Oscar in seinem Regal.
Titel: ganz persönlich Spitzname: 
Einer der anständigen ist „Moe“ 
+++ Als Kind wollte ich: 
zuerst Arzt, dann Pilot werden. Irgendwann kam ich dann auf die Idee, beides zu vereinen: Flugzeugarzt. Das war mein Berufstraum als Kind – leider nicht wirklich Erfolg versprechend +++ 
Erstes Geld verdient mit: 
Schon als sehr junger Schüler bin ich nach der Schule ins Büro meiner Eltern gegangen. Dort habe ich mit 15 oder 16 Jahren die ersten kleinen Jobs übernommen. Mit 18 war ich dann schon stark in die Geschäfte eingebunden +++ 
Haustier: 
Drei Hunde: Einen Boxer (Sushi), einen Schnauzer (Mojo) und neu: Der Hund meiner Freundin namens Nena +++ 
Lieblingsessen: 
Ich schätze die kalifornische Küche sehr. Wenn ich in Deutschland bin, gehe ich gerne zum Griechen +++ 
Abi-Note: 
2,3

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