Markus – Sunny Boy von
der Wall Street

Markus Koch ist der deutsche Börsenstar. Vier mal am Tag geht er bei n-tv auf Sendung. Live von der Wall-Street. Als 21-Jähriger wanderte er nach New York aus und gründete seine eigene Firma. absolut°karriere trifft den lebensfrohen Börsen-Korrespondenten in Manhattan und spricht mit ihm über Geld, Karriere und seine schwierigen Zeiten: Denn wie kommt man bloß mit 19 Jahren zu 35.000 Euro Schulden?

Markus Koch fühlt sich wohl im Big Apple. Die deutsche Einstellung zum Geld vermisst er in der Wall Street nicht

Markus, wie häuft man als Abiturient so einen riesigen Schuldenberg an?
Besonders an der Börse geht das schneller als man denkt. Als ich 16 war wurde mein Interesse für Aktien und Wertpapiere zum ersten Mal geweckt. Da habe ich in der 10. Klasse beim Planspiel Börse mitgemacht. Neben der Schule jobbte ich auch noch bei einem Bäcker, dessen Hobby Spekulieren war. Da habe ich dann richtig Blut geleckt und selbst angefangen mit Aktien zu handeln. Damit war ich äußerst erfolgreich und machte ordentlich Kohle.

Alle Zeitungen schrieben über mich: „Das Börsen-Wunderkind aus der Kleinstadt Schlüchtern“. Daraufhin haben mir Verwandte und sogar mein Lateinlehrer ihr Geld zugesteckt. Ich sollte es für sie anlegen und mehr daraus machen. Zusätzlich nahm ich einen Kredit bei der Bank auf, um noch größere Gewinne einfahren zu können. Dummerweise habe ich mich dann verspekuliert. Das Ergebnis: Eine Menge verärgerter Gläubiger und satte 35.000 Euro Schulden.

Und dann die Flucht nach vorne: Mit 21 Jahren bist du nach New York ausgewandert. Was macht man dort ohne Geld und Ausbildung?
Also ganz ohne fachliches Wissen im Gepäck bin ich natürlich nicht nach Amerika gegangen. Noch in Deutschland habe ich bei dem Wertpapierhandelshaus Hornblower Fischer eine Brokerprüfung absolviert. Aber tatsächlich habe ich dann alles auf eine Karte gesetzt und bin fast ohne Hab und Gut in die USA eingereist. Die ersten Monate waren sehr hart. Meine Wohnung in Harlem musste ich mit Ratten und Kakerlaken teilen.

Zum Glück habe ich dann einen berühmten Fondsmanager kennen gelernt, der mir die Tore zu dem Top-Brokerhaus Bear Stears & Co. geöffnet hat. Dort habe ich im Aktienhandel zwei Jahre als Assistent für einen Managing Director gearbeitet. Irgendwann habe ich gemerkt: Es gibt jede Menge deutsche Korrespondenten in New York. Aber keiner berichtet live von der Wall Street. Mit meiner Firma Wall Street Correspondents habe ich schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Bis zum Durchbruch habe ich Tag und Nacht in einem kleinen Büro ohne Fenster verbracht. Heute arbeite ich direkt am Broadway gegenüber der New Yorker Börse.

Bitte erkläre uns kurz: Was machst du überhaupt? Wie sieht Dein Arbeitstag aus?
Wall Street Correspondents veröffentlicht täglich aktuelle Berichte vom Finanzgeschehen an der Wall Street. Wir schnappen Stimmungen und Tendenzen auf, bevor sie die Märkte bewegen und versorgen unsere Kunden mit Nachrichten, die sie zum Aufbau eines gewinnbringenden Portfolios brauchen. Mein Arbeitstag beginnt um sieben Uhr in der Früh. Unser Team beginnt dann mit der Recherche: Analysten werden angerufen und zur Entwicklung der Märkte befragt, Gerüchten wird auf den Grund gegangen und alle Informationen, die ausschlaggebend für die Kursentwicklung sein könnten, werden gesammelt und ausgewertet.

Wärst du lieber Amerikaner oder bist du froh, Deutscher zu sein?
Ich bin deutsch und lebe in den USA. Meine Frau ist Amerikanerin sizialinisch-irischer Abstammung. Mit anderen Worten: Die Nationalität ist nicht ausschlaggebend. Würde ich meine deutsche Staatsbürgerschaft abgeben? Sicher nicht, schließlich bin ich dort geboren. Was die deutsche Einstellung zu Geld und Reichtum betrifft, gefällt mir die Neidgesellschaft nicht. Wer wohlhabend ist, wird oft voreilig als automatisch anti-sozial abgestempelt. Während in Europa der alte Geldadel geschätzt wird, bewundert man in den USA eher die Newcomer. Die berühmte Tellerwäscher-Karriere genießt in Amerika noch heute großes Ansehen.

In welchen Punkten sind die Amerikaner den Deutschen noch überlegen?
Nicht zuletzt wegen der mangelnden Finanzmittel hinken die Universitäten in Deutschland den Privatunis aus den USA und England hinterher. Unter den weltweit Top 20 Universitäten befindet sich nicht eine deutsche Adresse. Die Princeton-, Yale- oder Oxford-Universität sammeln von der Wirtschaft jährlich hunderte von Millionen Dollar ein. Da kann man den Studenten natürlich ganz andere Möglichkeiten bieten. Man schimpft in Deutschland viel zu häufig über die Politik, wenn es um das Thema Bildung geht; die Privatwirtschaft ist ebenso gefordert.

Wann willst du wieder nach Deutschland zurückkehren?
Meine Frau spricht kein deutsch und ich fühle mich hier in New York ausgesprochen wohl. Vielleicht wohne ich nicht für immer im Big Apple, aber ich bleibe wohl noch länger in den USA. Eine Rückkehr nach Deutschland ist nicht geplant.

Welche Erfahrung möchtest du deutschen Abiturientinnen und Abiturienten mit auf den Weg geben?
Eine wichtige Erkenntnis ist, dass jeder nur mit Wasser kocht. Man braucht keinen blinden Respekt oder gar Angst vor Menschen mit vielen Titeln und einer hohen Position zu haben. Nehmen wir das Beispiel Börse: Für viele immer noch ein großes Geheimnis. Hinter den Kursbewegungen stehen aber letzten Endes auch nur Menschen. Leute, die hoffen, glauben, zweifeln und grübeln. Auch die erfolgreichsten Investoren werden von ihren Emotionen geleitet.

Die Börse versinnbildlicht für mich das Gefühl von Gemeinschaft. Sie ist kein Buch mit sieben Siegeln, sondern ein Spiel und Spiegel der menschlichen Seele. Die zweite Erkenntnis: Man darf Geld nicht als Maßstab der Dinge betrachten und sich selbst allzu wichtig nehmen. Dann kann man viel lockerer und erfolgreicher arbeiten und lernt, Niederlagen wegzustecken und weiter seinen Weg zu gehen.

Und welche Tipps hast du bezüglich der Studien- und Berufswahl?
Man sollte seine Jobwahl niemals nach der Dynamik der Branche richten. Sehr oft hat sich der Geheimtipp von heute als größter Flop von morgen entpuppt. Wer möchte ausserdem schon blind hinter der Masse herrennen und beispielsweise BWL studieren, nur weil es gerade in der Presse heißt: „BWL-Absolventen: Mangelware!“ So wird man doch nicht glücklich. Es sei denn, man möchte ein kleines Rädchen in der dynamischen Entwicklung sein. Selbst dynamisch sein, das ist ausschlaggebend und führt zum Erfolg. Man muss sich frühzeitig die Frage stellen: Was kann ich und warum glaube ich, dass ich das besser kann als andere? Dann muss man sich für einen Weg entscheiden. ...

Und wenn man sich für den falschen Weg entschieden hat und auf die Schnauze fliegt?
Na und? Ist auch okay. Man muss nur wieder aufstehen und darf nicht liegen bleiben. Manchmal ist es besser zu wissen, was man nicht will, als was man will. Man kann alles verlieren, bis auf seine Ehre. Und wenn man dann eines Morgens aufwacht, vor dem Spiegel steht und sagen kann: „Das ist es!“, dann hat man den richtigen Job gewählt. Die Arbeit muss zur inneren Zufriedenheit beitragen, mit Raum zur freien Entfaltung und der Chance, Niederlagen wie Siege zu durchleben. Damit wächst auch die Karriere. Sie kann genauso wenig erzwungen werden wie Reichtum.

Was macht ein gestresster Markus Koch nach der Arbeit?
Ich spiele und lerne drei Tage in der Woche die verschiedensten Arten von Jazz-Klavier, angefangen bei Ragtime und New Orleans bis hin zu den moderneren Formen. Im Herbst werde ich mit einer New Yorker Band in Deutschland auf Tour gehen. Wer die amerikanische Kultur besser verstehen will, sollte sich mit Jazz auseinandersetzen.

Welche Kneipen und Bars empfiehlst du in New York?
Da wäre das „Village Vanguard“, ein berühmter Jazz-Keller, oder „The Cajun“, ein Club in dem Ragtime gespielt wird.

Das Interview führten Max Grün und Moritz-Marco Schröder

„Die ersten Monate waren sehr hart. Meine Wohnung in Harlem musste ich mit Ratten und Kakerlaken teilen.”
Markus Koch hat sich durchgebissen. Er ist heute erfolgreicher Börsianer an der Wall Street.
Vom „Planspiel Börse“ an die Wall Street: Bei Markus Koch dreht sich alles um das Finanzgeschehen
Live in Manhatten: absolut°karriere-Redakteur Max Grün mit Markus Koch
Titel: ganz persönlich Als Kind wollte ich: Börsianer werden 
+++ Das macht mir Spaß: Jazz und Ragtime 
+++ Erstes Geld verdient mit: Als Schüler bei einem Bäcker 
+++ Haustier: Manhattan-Pet 
+++ Lieblingsessen: Schweinebraten 
+++ Abi-Note: ?

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