„Ich weiß, ich bin nicht doof“

Lena Meyer-Landrut hat für die Schule nur das Nötigste gemacht. Der Notendurchschnitt war ihr egal. Sie selbst ist überhaupt nicht Durchschnitt, wie ihr im Interview lesen könnt

Lena Meyer-Landrut
Lena präsentiert sich auf den Fotos zu Ihrem Album Stardast in frischem Style

Lena, du hast geschafft, wovon tausende Schüler träumen: Über eine Castingshow wurdest du zum Musikstar. Was hast du besser gemacht als andere?
Es hat so viel mit Glück zu tun: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. So viele Leute sind unfassbar gut. Manchmal klappen Castingshows, manchmal nicht. Es gibt leider kein Rezept.

Was hättest du denn gemacht, wenn es nicht geklappt hätte?
Ich war schon immer planlos. Wenn mich früher irgendjemand gefragt hat, was ich später mal machen will, hab ich immer gesagt: Sängerin, Schauspielerin oder irgendwas mit Tieren.

Mit dem Sieg bei „Unser Star für Oslo“ warst du für den Eurovision Song Contest qualifiziert. Hat dir das die Entscheidung abgenommen, was du nach dem Abi machst?
Tatsächlich gab’s keinen anderen Weg. Im März habe ich das Casting gewonnen, im April Abi gemacht und im Mai war der Eurovision Song Contest. Die Entscheidung wurde mir abgenommen. Und ich bin auch froh darüber, weil ich absolut keine Ahnung hatte, was ich sonst hätte machen sollen.

Als deine Karriere begann, warst du noch Schülerin – und auf einmal über Nacht berühmt. Wie haben denn deine Mitschüler darauf reagiert?
In der Schulzeit waren eigentlich alle cool und es kamen nur Leute, die mir auf die Schulter geklopft haben. Krasser war’s dann schon beim Abiball, zu dem bin ich durch den Hintereingang gekommen. Da waren auch Eltern und Freunde von den Schülern da und alle haben mich fotografiert. Das ist komisch gewesen, weil es ja eigentlich so eine vertraute Umgebung war.

Du hast dein Abi parallel zu den Vorbereitungen auf den Eurovision Song Contest geschrieben. Konntest du dich überhaupt auf die Prüfungen vorbereiten?
Es gab drei Wochen, wo ich nur ab und zu mal Termine hatte. Und in den drei Wochen habe ich halt gelernt, und dann war das auch okay. Also für Deutsch hab ich nicht eine Stunde gelernt. Für Englisch nicht eine Minute.

Bist du die Schule immer so entspannt angegangen?
Ich war nie ein Paranoia-Lerner. Ich hab das Nötigste gelernt. Ich weiß auch, ich bin nicht doof. Ich kann mich auch ganz gut ausdrücken und um den heißen Brei reden, wenn ich irgendwelche Klausuren schreibe.

Warst du damit erfolgreich?
Ich hatte nie ein Problem, Klausuren zu bestehen und auf meine acht, neun Punkte zu kommen. Egal wie viel ich gelernt habe. Und das hat mir gereicht. Ich hatte nie den Anspruch, mit 15 Punkten da rauszugehen. Ich bin auch nie durchgedreht, wenn ich den Stoff nicht ganz genau wusste. Ich hab halt auch immer das gelernt, was mich tatsächlich interessiert hat.

Was hat dich denn interessiert?
Ich find’, Bio ist ein cooles Fach. Aber auch da gibt’s natürlich Sachen, die man doof findet ... Zum Beispiel, wie so ein blöder See umkippt und dann die Algen hochkommen – das fand ich megalangweilig. Aber auf Genetik hatte ich voll Bock – und hab 15 Punkte geschrieben.

Du bist nach der neunten Klasse vom Gymnasium auf die Gesamtschule gewechselt. Was war der Auslöser?
Ich hatte ’ne Phase, in der ich viel krank war. Und ich hätte mir gewünscht, dass mir die Lehrer ein bisschen mehr helfen. Aber es war so: „Entweder du packst das oder halt nicht. Dann musst du dich darum kümmern, dass du den Stoff kriegst.“

Fühltest du dich ungerecht behandelt?
Klar gehört das zum echten Leben dazu, wenn man mit der Schule fertig ist. Vielleicht gehört das auch in der Oberstufe dazu, aber nicht in der 9. Klasse. Ich hab mich da einfach nicht gut aufgehoben gefühlt. Mein schlimmster Horror war, eine Klasse wiederholen zu müssen. Und ich wusste, wenn ich auf dem Gymnasium bleibe, dann packe ich das nicht.

Hast du dich auf der Gesamtschule wohler gefühlt?
Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht, und ich war so froh über meinen Wechsel. Ich glaube auch, dass das für meine persönliche Entwicklung gar nicht so verkehrt war.

Das musst du uns etwas genauer erklären, bitte.
Unsere Schule ist im Roderbruch, ein Bezirk in Hannover, der eher ein Ausländerviertel ist. Da sind viele, viele, viele, viele Migranten, und die Schule ist halt auch voll mit denen. Ich hatte kein Problem, die Kanaken zu nennen, weil das cool war.

Wirklich?
Wir waren einfach alle ’ne Gang und es gab keine Probleme. Und ich hatte auch keine Berührungsängste. Mir hat das ehrlich gesagt auch super viel geholfen. In der Anfangsphase, als ich ausgegangen bin zum Beispiel, hatte ich ein supergroßes Netzwerk an Leuten in Hannover, die gesagt haben: „Ey, wenn Lena kommt, die packst du nicht an!“ Für mich war das cool.

War das Verhältnis zu den Lehrern persönlicher, so wie du dir das erhofft hattest?
Wir haben von der achten bis zur dreizehnten Klasse die Lehrer geduzt und mit Vornamen angeredet, und wir wurden auch selbst mit Vornamen angesprochen. Es war ein Verhältnis auf Augenhöhe und trotzdem hatte man Respekt. Das hatte nichts damit zu tun, dass ich Schule immer scheiße fand, aber trotzdem war das in der Gesamtschule ein wesentlich angenehmeres Schulleben.

Hast du nie mit dem Gedanken gespielt, die Schule nach dem Castingerfolg einfach hinzuschmeißen?
Für mich stand fest, dass ich Abitur haben will – wegen des gesellschaftlichen Ansehens. Ich hab gesagt: Ich mach’ Abitur, egal wie, egal mit welchem Schnitt. Und ich mach’ mir die Welt drum herum so nett wie möglich. Und das hat auch gut geklappt. Und dann hab ich auch das mit dem Casting durchgezogen. Das hat nichts daran geändert, dass ich Abitur haben wollte. Und wie blöd wäre es gewesen, wenn ich die letzten zwei Monate von 13 Jahren Schule hingeschmissen hätte.

2011 hast du dich an der Uni Köln eingeschrieben – ziehst du das Studium auch durch?
Ich habe mich für Philosophie und Erziehungswissenschaften interessiert. Bei Erziehungswissenschaften bin ich nicht angenommen worden und hab’ dann Afrikanistik dazu gewählt. In der Phase vom Einschreiben bis zum Studienbeginn habe ich mich dann aber entschieden, das Album zu machen und mich sofort wieder ausgeschrieben. Ich hab’ gar nicht angefangen zu studieren. Das kann ich auch noch in fünf Jahren machen.

Das Interview führten Kathrin Stangl und Simon Karrrer

„Fürs Deutsch-Abi habe ich nicht eine Stunde gelernt, für Englisch keine Minute.”
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Titel: ganz persönlich Spitzname: Leni +++ Hobbys: mit Freunden treffen, chillen, auf Flohmärkte gehen +++ Zu Hauseausgezogen mit: 19 +++ Ein Film, den ich nicht oft genug anschauen kann: Bridemaids +++ Die besten Ideen kommen mir … im Auto +++ Wäre ich nicht Lena, wäre ich … ein Vogel +++ Wenn ich schlechte Laune habe … gehe ich ins Bett +++ Geht immer: essen +++ Geht gar nicht: Strafzettel +++ Meine Lieblingsband und warum ich sie so liebe: Das wären zu viele, um sie alle aufzuzählen +++ Drei Dinge, die ich noch machen will: Bungee Jumping, einen Hund haben, Kinder bekommen

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