Der Typ mit der Maske

Pandarapper Cro war nicht gerade ein Musterschüler. Erst nach einem Schulwechsel ging‘s bergauf. Die Fachoberschule brach er ab: Die Rap-Karriere war ihm wichtiger

Bei allen öffentlichen Auftritten trägt Cro eine Pandamaske. Er begann damit während seiner Ausbildung zum Mediendesigner, um Job und Musikauftritte zu trennen

Du bist Mitte 20, als Musiker sehr erfolgreich und als Modedesigner ebenfalls. Wusstest du schon früh, was du werden willst?
Nee, gar nicht. Ich hatte Leute in der Klasse, die waren total zielstrebig. Die sagten: „Ich werd’ mal Journalist oder Polizistin.“ Aber ich hatte keinen Plan, was ich machen soll. Ich wollte nur so gut es geht die Schule zu Ende bringen.

Warst du gern in der Schule?
Ja, wegen der Freunde – und der Mädchen. Den Unterricht fand ich bis zur achten Klasse komplett scheiße. Wir waren 'ne Gang in der Klasse, die gar keinen Bock hatte und nur lustige Sachen angestellt hat. Die ganze Schule kannte uns. Selbst bei neuen Lehrern waren wir schon unten durch, bevor sie uns im Unterricht hatten.

Wie kamst du aus der Sache wieder raus?
Irgendwann dachte ich mir, ich kann hier nicht mehr bleiben. Die Lehrer haben mich alle gehasst. Meine Eltern waren zu der Zeit öfter an der Schule, als ich. Ich war dann auch mal ein halbes Jahr richtig brav, aber das hat nichts mehr gebracht. Mir musste nur ein Stift runterfallen und ich bin rausgeflogen. Und dann sagte ich mir: Ich hau jetzt ab und wechsel die Schule, sonst kann ich den Abschluss vergessen. Das war nach der achten Klasse.

Wie lief’s auf der neuen Schule?
Super. Ich hatte voll gute Noten, obwohl ich immer noch derselbe war. Auf meiner alten Schule dachten die Leute ständig, ich will sie verarschen. Auf der neuen dachten die, hey, der hat Humor. Da konnte ich endlich wieder meine Witze machen. Ich war ein unbeschriebenes Blatt.

Nach dem Abschluss hast du eine Ausbildung zum Mediengestalter gemacht. Wie bist du dazu gekommen?
In der zehnten Klasse sollte ich auf einmal wissen, was ich machen will. Ich hab mich dann für die Ausbildung bei der Stuttgarter Zeitung beworben. Darauf bin ich eher zufällig gestoßen. Ich wurde zum Aufnahmetest mit 140 Leuten eingeladen, der drei Tage gedauert hat. Und ich hab’s tatsächlich geschafft. Drei Jahre später hab ich die Ausbildung abgeschlossen.

Hast du nach der Ausbildung noch weiter bei der Zeitung gearbeitet?
Nur noch ein halbes Jahr. Das ist ein witzige Geschichte. An meinem letzten Arbeitstag haben die ganzen Frauen Kuchen gebacken und Luftballons vorbeigebracht und alle haben geweint. Und einen Monat später ruft mich der Personalleiter zu Hause an und sagt: „So, Carlo, jetzt wäre eigentlich ihr Arbeitsende. Sie sind einen Monat zu früh gegangen. Ich zahle ihnen diesen Monat jetzt einfach nicht aus, dann passt das.“

Nach deiner Ausbildung warst du noch auf der Fachoberschule, aber die hast du nicht beendet. Warum?
Die hab ich nach einem halben Jahr abgebrochen. Denn da ging es mit der Musik so richtig los. Das war gerade zu der Zeit, als wir das „Easy“- Video gedreht haben. Ich saß in der Schule und hab per Handy mit Regisseur Harris den Dreh organisiert: Wer kommt wo hin und was geben wir dem dafür. Direkt nach dem Unterricht musste ich zu Interviews. Da hatte ich natürlich keinen Kopf mehr für die Schule. Das Lustige war: In meiner Klasse wusste niemand davon. Die schreiben mir heute noch: „Krass, wusste ich bis heute nicht.“

Was haben deine Eltern dazu gesagt?
Meine Mum meinte: „Geh da morgen halt noch hin und schreib die Mathearbeit.“ Mein Dad sagte: „Ich find‘ das alles scheiße. Das geht auf gar keinen Fall.“ Der hat Zeitungsartikel über erfolglose Musiker gesammelt und mir hingelegt: „Schau mal. Der ist pleite, der auch und der. Vor einem Jahr noch auf Platz eins und jetzt pleite. Willst du das wirklich machen?“ Und ich so: klar!

Was sagt er jetzt, wo du es geschafft hast?
Mittlerweile kommt er jeden Tag mit einer Liste von Autogrammwünschen und erzählt jedem ganz stolz von mir.

Wann hast du eigentlich angefangen Musik zu machen? Hat man dir das an der Schule beigebracht?
Nein, da hat man eher was über Mozart gelernt. Der Freund meiner Schwester hat mich darauf gebracht. Er hat mir ein Midi-Keyboard geschenkt und gezeigt, wie man am Computer Beats baut. Und dann ging’s los. Ich hatte Kumpels, die dasselbe gemacht haben. Wir haben uns getroffen und zusammen Lieder gemacht. Boah, wir waren so schlecht. Aber uns ging es darum, dass jeder der da war, mitmachten konnte. Deshalb hatten wir Tracks, die waren 18 Minuten lang. Das war wirklich nur geil.

Dachtest du damals schon, dass du mit der Musik später mal Geld verdienen kannst?
Niemals. Ich wusste zwar, dass ich ein bisschen besser bin als die anderen in meiner Umgebung. Aber wir haben immer aufgeschaut zu Stars wie Kool Savas und Samy Deluxe. Die waren in unserer Vorstellung so weit weg.

Wann hast du das erste Mal ein Kleidungstück entworfen?
Angefangen hat das in der siebten Klasse. Ich trug „Cornrows“ und dazu einen Bademantelgürtel als Stirnband. Da hatte ich ein Nike-Logo drauf genäht und eine Zahnbürste reingesteckt. So ging ich zur Schule.

Und wie ist daraus ein Modelabel entstanden?
Ich stand oft vor dem Schrank und dachte: „Scheiße, ich hab nichts anzuziehen. Alles schon tausend Mal angehabt.“ Dann hab ich irgendwann was aus dem Schrank genommen und drauf gemalt oder die Ärmel abgeschnitten. Und die Mädchen meinten, das ist cool. „Voll geile Idee, ich will das auch.“ Am Anfang hab ich das Zeug verschenkt. Und irgendwann schlug jemand vor: „Nimm doch Geld dafür.“ Und dann hab ich Geld dafür verlangt und die haben’s trotzdem gewollt. Das hat den Geschäftsmann in mir geweckt. Dann ging’s los. Ich hab hundert T-Shirts drucken lassen und die gingen alle weg. Die Gründungsphase für das Label war im Jahr 2007. Ein Jahr später wurde es offiziell eingetragen.

Viele erfolgreiche Künstler sitzen später in der Jury einer Castingshow. Wäre das was für dich?
Wenn ich irgendwann mal in einer Jury sitze, dann nur in meiner eigenen Show. Da geht’s dann um das Machen von Liedern und nicht nur die Stimmen, die ein Lied singen. Wir zeigen den jungen, interessierten Kids, wie man Beats baut. Wir gehen ein bisschen tiefer ins Detail und präsentieren nicht nur Menschen, die einigermaßen gut aussehen und eine geile Stimme haben. Das reicht doch nicht. Die Menschen werden durch die ganzen Castingshows nur zu Hüllen, die kurz mit Inhalten befüllt werden. Was bringt denn das, wenn ich ein Lied singe, zu dem irgendjemand den Text geschrieben hat. Voll dumm.

In „Never Cro Up“ singst du „ich bleib ein Kind“. Immer?
Nein. Manchmal muss man auch Verantwortung übernehmen und zum Beispiel die Schule fertig machen (lacht). Aber vergessen sollte man sich dabei nie. Dafür ist das Leben zu kurz.

Das Interview führte Simon Karrer

„Ich saß in der Schule und hab per Handy mit Regisseur Harris den Dreh organisiert.”
Als es mit der Musik richtig losgeht, bricht Cro die Fachoberschule ab. Mit dem Erfolg hat's trotzdem geklappt.
Cro füllt die Hallen: Auf seiner Mello Tour 2014 waren alle Konzerte ausverkauft
Cro ist außerdem Modedesigner und hat bereits 2008 das erfolgreiche Label „VIOVIO“ gegründet
Titel: ganz persönlich Wofür würdest du öffentlich deine Maske ablegen? Für nichts auf der Welt 
+++ Ein Wunsch, den man dir mit Geld nicht erfüllen kann: Mit Geld kann man eigentlich alles kaufen – außer vielleicht Liebe +++ 
Dein Lieblingsessen: Pizza geht immer – mit Schinken und Pilzen +++ Die beste Ideen kommen mir ... im Traum +++ 
Wenn ich richtig wütend bin ... kann schon mal was kaputt gehen +++ Wenn ich mein Leben mit jemand tauschen müsste ... wären das die Google-Besitzer. Denen gehört alles +++ Mein erster Künstlername war ... Lyr1c +++ Mein Lieblingsschulfach war... bildende Kunst

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