Studienstart:
„Mein erstes Mal“ - Teil 2

„Ich kapier's nicht“: Die erste Vorlesung

Hannahs erste Vorlesung hieß „Mikroökonomie“ bei Professor Schmidt, der mittlerweile sogar einer ihrer Lieblingsprofs ist. „Die erste Vorlesung lief anfangs gut, weil ich vieles aus dem Wirtschaftsunterricht kannte“, erinnert sich Hannah. „Doch dann wurde mir bewusst, wie unterschiedlich Tempo und Lernpensum sind: Das was wir in der Schule in einem halben Jahr gemacht haben, wurde an der Uni in eineinhalb Stunden abgehandelt.“ Während der Dozent vorne in ein Mikro spricht und durch seine Power-Point-Folien führt, kommen Hannah Zweifel: „Bin ich die einzige von 300 Leuten, die es nicht versteht? Wie soll ich die Prüfung schaffen, wenn ich die erste Vorlesung schon nicht kapiere?“

Heute sieht sie es locker. Zum Unistart gehört nämlich auch das Lernen neu zu lernen: Du musst dich mit dem Stoff auseinandersetzen, entweder direkt nach der Vorlesung oder du planst feste Zeiten ein. Zu jeder Vorlesung belegt Hannah ein Übungsseminar: Es geht darum, den Stoff der Vorlesung zu wiederholen, alles zu verstehen. Die Übungen sind auf wenige Personen begrenzt und werden von erfahrenen Studierenden geleitet – „so kann man sich leichter überwinden, Fragen zu stellen“, sagt Hannah. „Manchmal scheitert man nicht an den großen Zusammenhängen, sondern an Kleinigkeiten. Gerade in meinem Studiengang, der so mathelastig ist.“ Extratipp: Viele Hochschulen bieten vor Semesterbeginn Vorbereitungskurse an. Auch Hannah nahm an einem Mathevorkurs teil. In den Kursen frischst du die Grundlagen des jeweiligen Fachs auf.

Hannah findet sich im Studiendschungel gut zurecht. Sie besucht Vorlesungen, lernt, feiert und vergisst regelmäßig, einkaufen zu gehen. Doch ein leerer Kühlschrank gehört auch irgendwie zum Ersti-Sein dazu. Hannah wird selbständiger, auch mutiger: „In meinem Studiengang gibt es keine Anwesenheitspflicht. Man sollte ruhig auch den Schritt wagen, Zuhause zu lernen, wenn der Dozent die Folien nur abliest“, erklärt sie. „Man erhält die Folien bei Vorlesungsbeginn als gedrucktes Skript und kann sie so selbstständig durchgehen. Ich habe ein Gespür dafür entwickelt, bei welchen Veranstaltungen es wichtig ist, anwesend zu sein.“

Lernst du noch oder lebst du schon? Die erste Prüfung

Die erste Prüfung steht Mitte Februar an, mit dem Lernen beginnt Hannah zwei Monate zuvor. Gutes Zeitmanagement ist wichtig: Für eine Klausur an der Uni muss man so viel Stoff lernen wie für eine Abi-Prüfung – teilweise sogar mehr. Für Hannah ist die Zeit Stress pur. Damit ist sie nicht allein: Prüfungen zählen mit 52 Prozent zu den größten Stressauslösern bei Studierenden. Das ergab die Forsa-Umfrage „Campus Kompass“. „Da habe ich die Schule vermisst. Kommt das dran? Was muss ich vorbereiten? Hier konnte ich immer den Lehrer fragen.“ An der Uni ist das anders. Aber mit Hilfe von alten Klausuren, die sie online findet, bereitet sie sich vor. Hannah schreibt Zusammenfassungen, wiederholt Übungsblätter. An einem Dienstag ist es so weit: Hannah trägt ihren Lieblingspullover (Wohlfühlfaktor: check), vor ihr liegen zwei Taschenrechner (Notfallplan: check). Innerhalb von zwei Stunden muss sie 18 Seiten voller Multiple-Choice-Aufgaben lösen. 18 Seiten! „An der Uni sind die Aufgaben so gestellt, dass man sie in der vorgegebenen Zeit oft gar nicht lösen kann“, erklärt die 19-Jährige. „Die Dozenten wollen sehen, wie viele Aufgaben wir im Durchschnitt schaffen. Also mach dir deswegen keine Sorgen.“

Ein halbes Jahr später: Im Gegensatz zum Tag ihrer ersten Prüfung fühlt sich Hannah heute völlig entspannt. Sie sitzt auf der oberen Stufe des Brunnens auf dem Geschwister-Scholl-Platz, lässt ihren Blick hinüber zum Hauptgebäude der LMU schweifen. Ja, sie sei angekommen. Sie ist nicht länger Ersti und guckt beim Betreten der Uni nicht mehr wie Harry Potter, der zum ersten Mal Hogwarts sieht. Mittlerweile ist alles irgendwie normal, das Audimax, die große Treppe am Unieingang. Eines muss sie uns noch verraten: Hat sie die erste Prüfung bestanden? „Ja, mit der Note 1,3.“ Hmm, doch ein kleiner Streber? Hannah lacht: „Ich habe im ersten Semester noch sehr gezweifelt, ob VWL der richtige Studiengang für mich ist. Nun bin ich mir sicher.“

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Wo muss ich hin? Wie blamiere ich mich nicht vor dem Prof? Die „O-Phase“ (Orientierungsphase) liefert Antworten. Sie findet eine Woche vor Studienbeginn statt und wird von studentischen Freiwilligen organisiert. Hannah rät: „Unbedingt hingehen!“

Zeit für eine Kaffeepause: An der Uni gibt's viele Orte, um mit deinen Kommilitonen ins Gespräch zu kommen.
Zeit für eine Kaffeepause: An der Uni gibt's viele Orte, um mit deinen Kommilitonen ins Gespräch zu kommen.
Auf dem Brunnen am Geschwister-Scholl-Platz saßen schon einige Studierende. Er befindet sich direkt gegenüber der LMU.
Auf dem Brunnen am Geschwister-Scholl-Platz saßen schon einige Studierende. Er befindet sich direkt gegenüber der LMU.

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