Ausbildung mal Drei

Die größte Möbelhauskette der Welt hat ihren Azubis einiges zu bieten: Julia und Gérard machen bei IKEA in 33 Monaten drei Abschlüsse. Und lernen als angehende Handelsfachwirte drei Standorte kennen. Immer dabei: Ein Regal namens Billy.

Autorin: Romy Schönwetter // Fotograf: Sebastian Baumeister

Julia und Gérard starteten zeitgleich ihre Ausbildung als Handelsfachwirte. Heute arbeitet sie in der Logistik und er in der Kinderabteilung.
Julia und Gérard starteten zeitgleich ihre Ausbildung als Handelsfachwirte. Heute arbeitet sie in der Logistik und er in der Kinderabteilung.

Erst das Abi, dann die eigenen vier Wände. Für eine Ausbildung oder ein Studium ziehen viele Abiturienten in ihre erste WG. Den idealen Mitbewohner gibt’s schon ab 19 Euro: Billy. Dafür fährt man „schnell mal zu IKEA“ – denn das Einrichtungshaus ist oft nur eine halbe Autostunde weit weg. Gerade weil sie so beliebt sind, sorgt Julia Penther (26) dafür, dass immer genügend Billy-Regale im Warenlager auf ihre neuen Mitbewohner warten.

Julia Penther (26), darf als Handelsfachwirtin bald selbst Azubis anlernen.

Drei Abschlüsse in 33 Monaten

Julia macht eine Ausbildung zur Handelsfachwirtin im IKEA Einrichtungshaus in Ulm und arbeitet schon jetzt als Teamleiterin im Bereich „Logistik“. Ein normaler Arbeitstag beginnt für sie früh. Sehr früh. Bereits um vier Uhr morgens kommt der erste LKW aus dem Zentrallager mit neuer Ware. Bis zum Verkaufsstart bleiben dem Logistikteam rund fünf Stunden Zeit, die neuen Artikel zu verräumen. Das heißt zum Beispiel: Julia verteilt alle Waren so, dass sie zur richtigen Zeit in der richtigen Menge für den Kunden in Ulm bereitstehen. „Langfristig soll es deutschlandweit ‚Pick Up Points’ geben“, erklärt sie. „Eine Bestell- und Abholstation, zu der Kunden nicht länger als 40 Minuten brauchen. Egal wo sie wohnen.“ Eine logistische Herausforderung. In ganz Deutschland gibt es diese Stationen bisher nur zweimal. Julia konnte bei der Einführung des Pick Up Points in Ravensburg intensiv mitarbeiten, wie etwa an der Tourenplanung.

Die 26-Jährige steht kurz vor ihrem Abschluss – genauer genommen vor dem dritten Abschluss. In insgesamt 33 Monaten wurde sie erst zur Kauffrau im Einzelhandel und danach zur Handelsfachwirtin ausgebildet. Und mit dem Ausbildereignungsschein, den sie als drittes macht, darf sie in Zukunft selber Azubis anlernen.

Gérard Jean-Philippe (30), ist angehender Handelsfachwirt und bereits Teamleiter.

„Jeder kann so sein, wie er will“

Von kreativ bis analytisch: Die Ausbildung bietet noch andere Schwerpunkte. Denn IKEA ist auch einer der größten Gastronomiebetriebe Deutschlands (denk nur mal daran, wie viele Köttbullar du und deine Freunde im letzten Jahr gegessen habt). „Bei uns gibt es die vielfältigsten Aufgaben und Charaktere. Jeder kann so sein, wie er will – so lange er sich mit Werten wie Respekt, Ehrlichkeit und Teamgeist identifiziert“, erzählt Gérard Jean-Philippe (30), ebenfalls angehender Handelsfachwirt bei IKEA und einer von Julias rund 320 Kollegen im Einrichtungshaus Ulm. Als Teamleiter für die Kinderabteilung überprüft Gérard jeden Tag den Bestand der Artikel: Ist noch genügend Kinderbettwäsche auf Lager? Reichen die Stuva-Aufbewahrungskisten? „Ich behalte das Warenwirtschaftssystem im Auge und steuere den Verkauf“, erklärt Gérard. „So mache ich mir Gedanken, wo ich die Produkte platziere. Wenn ein Kunde einkaufen geht, denke ich für ihn mit und platziere neben der Kinderbettdecke noch Bettwäsche.“

Einmal quer durch Deutschland – mit Zwischenstopp im Ausland

Wie Marketing und Verkaufssteuerung in der Theorie funktionieren, lernen die Handelsfachwirte in Blockseminaren an der Wirtschaftsakademie in Husum. „Alle Handelsfachwirte aus ganz Deutschland kommen an der Nordseeküste zusammen“, erzählt Julia begeistert. „Hier tauschen wir uns aus – denn jeder bringt andere Erfahrungen aus seinen drei Einrichtungshäusern mit.“ Drei? „Jeder Handelsfachwirt lernt insgesamt drei verschiedene Häuser kennen. Man sollte also Lust haben, neue Städte zu entdecken“, erklärt Gérard.

Weltweit gibt es 328 IKEA Einrichtungshäuser, 50 davon in Deutschland – immer ähnlich aufgebaut. Drei davon lernt jeder Handelsfachwirt kennen. Für Julia ging’s zunächst 18 Monate nach Chemnitz, dann zum Auslandspraktikum einen Monat lang nach South Hampton, England. Anschließend folgten Stationen in Ulm und München. „Auch das ist echt super“, erklärt Julia die Vorteile ihrer Ausbildung. „IKEA gibt es weltweit. Also kann ich auch weltweit arbeiten. Bei jedem Roadtrip mit meinen Freunden lege ich immer einen Stopp bei IKEA ein – um zu schauen, wo’s mir gefällt. So war ich zum Beispiel schon in einem Einrichtungshaus in Malaga, Rotterdam und Thessaloniki.“

An allen deutschen Standorten stellt IKEA seinen Handelsfachwirten kostenlos Firmenwohnungen zur Verfügung. So fühlt man sich in einer fremden Stadt schnell wohl. Die Möbel stammen – klar – von IKEA. Vom Blumentopf bis zur Bratpfanne, vom Billy-Regal bis zur Rödbinka-Bettwäsche. Der schöne Nebeneffekt: Gérard und Julia kennen fast alle 9.500 Möbelstücke und Accessoires mit Namen. Gérards Fazit: „Die Zukunftsperspektiven sind vielfältig. Letztes Jahr bekam ich ein Angebot, bei IKEA London anzufangen. Doch erstmal möchte ich in Ulm bleiben.“ Wo es Gérard auch hinzieht, einen Weggefährten weiß er sicher an seiner Seite: Billy. Einen IKEA gibt‘s zum Glück ja immer in der Nähe.

„IKEA ist nicht nur Einrichtungshaus – sondern auch Designunternehmen, Logistikkonzern und einer der größten Gastronomiebetriebe Deutschlands. Weil wir das alles auf einmal sind, kann man bei uns mehr lernen – und auch viel mehr werden als anderswo. Nicht selten wechselt man irgendwann den Fachbereich, die Stadt oder sogar das Land.”
Silja Ehrhardt, Spezialistin für den Bereich Talent Management und verantwortlich für das Ausbildungsportal

Nach dem Abi zu IKEA

IKEA ist in 27 Ländern mit 328 Einrichtungshäusern vertreten, 47 Prozent der Führungskräfte sind Frauen. Jedes Jahr stellt IKEA in Deutschland bis zu 250 neue Auszubildende und 30 angehende Handelsfachwirte ein.

Ausbildungsangebot: 
Handelsfachwirt (m/w), Kaufmann im Einzelhandel (m/w), Gestalter für visuelles Marketing (m/w) uvm.

Duales Studienangebot: 
„BWL“, Schwerpunkt Logistik oder Handel; „Business Administration“

Tipp: Im Ausbildungsportal kannst du dich von Karrierewegen inspirieren lassen und dir Bewerbungstipps holen. Noch mehr Insights gibt‘s auf Instagram: #IKEAazubi. 

Jetzt informieren: 
www.ausbildung.ikea.de


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