Mein Stipendium fürs Ausland

Auslandsaufenthalte sind gefragt wie nie – ob vor dem Abi, als Gap Year oder während des Studiums. Doch alle Globetrotter wissen: Billig ist das nicht. Deswegen gibt es in Deutschland unzählige Stiftungen, die dir finanziell unter die Arme greifen

Carina, Cindy und Nuhro (von links) sind Stipendiaten in Belgien, Frankreich und der Schweiz. Sie sagen, wie viel Zeit die Vorbereitung frisst und ob die Bewerbung wirklich so bürokratisch ist, wie immer alle befürchten

Wer das erste Mal „Stipendium Ausland“ googelt, bekommt über eine halbe Million Ergebnisse. Da verliert man leicht den Überblick. Einmal werden nur hochbegabte Studenten gefördert, ein andermal nur Schüler mit Migrationshintergrund. Neben namhaften Größen wie der „Studienstiftung des deutschen Volkes“ oder dem „Deutschen Akademischen Austauschdienst“ (DAAD) gibt es viele kleine Stiftungen, die nur wenige kennen. Doch eines haben alle gemeinsam: klare Kriterien, wer, wie, und mit
wie viel gefördert wird.

Die Nadel im Heuhaufen
Ganz zu Beginn solltest du dir eine wichtige Frage stellen: Was möchte ich im Ausland machen? Jemandem, der ein Freiwilliges soziales Jahr in Dänemark machen möchte bieten sich ganz andere Stipendien an als jemandem, der Medizin in Österreich studieren will. Kurz versus lang, Studium versus Praktikum. Ist das geklärt, kannst du zum Beispiel auf Stipendienlotse.de geeignete, auf deine Bedürfnisse abgestimmte Geldgeber finden. „Man sollte frühzeitig klären, welche Stipendien es gibt und welche Bedingungen damit verknüpft sind“, weiß Katrin Alt-Rudin, Ansprechpartnerin für Auslandspraktika und deren Finanzierung beim Akademischen Auslandsamt der Universität Augsburg. „Es ist leider nicht so, dass es für jede Dauer oder für jede Art eines Auslandsaufenthaltes in allen Ländern ein Stipendium gibt.“

Drei Stipendiaten erzählen...

Cindy, Nuhro und Carina sind Stipendiaten in drei unserer Nachbarländer. Sie verraten, wie viel Zeit die Vorbereitung frisst, was das Besondere an ihrem Stipendium ist und ob der Berg an Papierkram wirklich so groß war, wie alle immer befürchten:

Cindy Tan ist Stipendiatin der zis-Stiftung für Studienreisen

Ein Thema, ein Land, eine Reise. Und 600 Euro. Als sich Cindy Tan (19) für das zis-Reise-
stipendium bewirbt, geht sie in 11. Klasse. Heute steht sie kurz vor den Abi-Prüfungen. „Ich muss ehrlich sagen, dass die Planung während der Schule schon stressig war. Doch mit Engagement bekommt man das hin“, lacht sie. Zis vergibt Reisestipendien an Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren. Vier Wochen ist man in einem Land seiner Wahl unterwegs. Auf einer Route, die man selbst plant. Das Besondere: Alle Stipendiaten schreiben am Ende einen Bericht – über ein vorher eingereichtes Thema, das sie persönlich bewegt.

Für Cindy war es der Wandel des französischen Frauenbildes. „Ich habe mich schon immer sehr für die Stellung der Frau in verschiedenen Gesellschaften interessiert. Auf meiner Reise ging es vor allem um die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich. Besonders die Begegnung mit Annie, meiner Gastmutter in Toulouse, hat mich bewegt. Sie hat mich wie eine eigene Tochter behandelt“, erzählt Cindy.

Toulouse war nur eine Station auf Cindys Route. Die komplette Reise darf dabei nur 600 Euro kosten, eine Bedingung bei zis: „Als zis-Stipendiat muss man ein gewisses Organisationstalent mitbringen. Ich habe meine Grenzen kennengelernt. Und doch gemerkt, was ich erreichen kann.“

Expertentipp von Dagmar Baltes, zis-Stiftung für Studienreisen:
„Ihr punktet bei den zis-Juroren vor allem mit individuellen Reiseideen. Wir setzen uns für Chancengleichheit ein. Noten spielen bei der Bewerbung keine Rolle.“

Jetzt informieren unter www.zis-reisen.de

Nuhro Ego ist Stipendiat der Karolina-Rüedi-Stiftung

Nuhro Ego (23) ist schon seit der Schule von Physik begeistert. Von Elementar- und Teilchenphysik, von Fragen nach einzelnen Bestandteilen der Materie. „Als es darum ging, was ich später studieren will, bin ich ganz meinen Interessen gefolgt“, erinnert sich Nuhro. „Im Schweizer Kanton Genf sitzt ein großes Zentrum, das physikalische Grundlagenforschung betreibt: CERN.“ Nuhro weiß: Einige Professoren, die an der ETH Zürich lehren, forschen dort. Als er sich die Uni vor Ort anschaut, ist ihm klar: „Hier will ich Physik studieren.“ Aber das Leben in der Schweiz ist teuer. Ohne Unterstützung hätte Nuhro das Studium nicht finanzieren können.

Online recherchiert er nach Stipendien und wird auf die Karolina-Rüedi-Stiftung aufmerksam. Die Kriterien passen perfekt auf ihn: super Noten, in Bayern geboren und seine Eltern verdienen gemeinsam weniger als 60.000 Euro jährlich*. „Ich hatte mich bis dahin noch nie für etwas beworben. Zum ersten Mal war ich damit konfrontiert, einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben zu erstellen“, erzählt Nuhro. Vorsorglich schreibt er sich an der ETH Zürich ein.

Als die Zusage für das Stipendium kommt, ist er überglücklich. Monatlich wird er mit 1.000 Schweizer Franken gefördert. Das Stipendium ist auf ein Jahr begrenzt, danach kann man sich erneut bewerben. Nuhro hat sein gesamtes Bachelor-Studium mit Hilfe der Karolina-Rüedi-Stiftung finanziert. Jetzt hat er gerade den Master begonnen. Am CERN war er übrigens auch und hat einen Monat lang an einem Forschungsprojekt gearbeitet. „Es war ein großartiges Erlebnis, selbst dort zu arbeiten und zu forschen.“

*Der Betrag wurde herabgesetzt und liegt nun bei 40.000 Euro.

Tipp: Bei der Karolina-Rüedi-Stiftung werden Bewerber aus München bevorzugt. Bewerbungsfrist ist immer der 1. April.

Jetzt informieren unter www.stmwfk.bayern.de

Carina März ist ERASMUS-Stipendiatin

Carina März (23) studiert Global Business Management. Da ist ein Auslandsaufenthalt Pflicht. „Von Februar bis Juli 2013 war ich in Leuven, einer großen Unistadt östlich von Brüssel. Dort habe ich ein Praktikum gemacht“, erzählt Carina. Anfangs zieht es sie in die Niederlande. Doch die Logistik-Stelle bei der Robert Bosch GmbH in Belgien ist genau das Richtige für Carina. „Unter Belgien konnte ich mir da noch nicht viel vorstellen. Man verbindet zwar das EU Parlament, Pommes und Pralinen damit, aber dann hört es auch schon auf“, lacht sie. Jetzt ist das anders: Carina findet, dass Belgien ein echter Geheimtipp ist. Vor allem wegen seiner wunderschönen Landschaft.

Um die Finanzierung hat sie sich früh gekümmert. „Von Kommilitonen wusste ich, dass man über ERASMUS einen monatlichen Zuschuss erhält. Ich habe 300 Euro pro Monat bekommen“, erzählt Carina. Ist das Stipendium bewilligt, werden zunächst 80 Prozent davon überwiesen. Den Restbetrag gibt’s nach dem Praktikum. Dafür musste Carina noch einen Bericht verfassen, mit Tipps für Studenten, die auch nach Belgien gehen wollen. „Mein Erfahrungsbericht steht jedem online zur Verfügung“, erzählt sie. Unter Eu-community.daad.de findest du über 1.400 Berichte von ehemaligen Praktikanten. „Im Gegensatz zu einem BAföG-Antrag ist der Papierkram relativ unkompliziert.“

Expertentipp von Katrin Alt-Rudin, Akadem. Auslandsamt (Uni Augsburg):
„Informiere dich bei Experten, zum Beispiel beim Akademischen Auslandsamt deiner Uni. Oft liefern Freunde oder Facebook-Gruppen nicht alle oder sogar falsche Informationen.“

Jetzt informieren unter www.eu.daad.de

Autorin: Romy Schönwetter

Für jeden was dabei

Es müssen nicht immer die USA
sein – auch ein Auslandsstudium in unseren Nachbarländern ist cool und vor allem bezahlbar. Von Österreich mit den meisten deutschen Studenten bis Liechtenstein mit den wenigsten: Bei diesen Stipendien springt mit wenig Aufwand viel raus.

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