Kloster und Schule

Am katholischen Rhabanus-Maurus-Gymnasium in St. Ottilien bekommen die Schüler neben Mathe und Latein auch christliche Werte vermittelt. Klingt spießig. Warum es das nicht ist, zeigen unsere fünf Interviewpartner

Autor: Simon Biallowons // Fotograf: Daniel Biskup für absolut°karriere

Fünf Schüler des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums in St. Ottilien erzählen von ihren ganz persönlichen Zukunftsplänen ©Fotos: Daniel Biskup
Fünf Schüler des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums in St. Ottilien erzählen von ihren ganz persönlichen Zukunftsplänen

Der Kreative: Simon Zachau (17)

Kreativ, abwechslungsreich und mit einer vernünftigen Work-Life-Balance: Was sein Job bringen soll, weiß Simon schon recht genau. Was für eine Arbeit das sein soll und wo, das weiß der 17-Jährige aus Geltendorf noch nicht. Seine Stärken liegen im Zeichnen und Malen, aber genauso in der IT und dem Programmieren. Ein „breites Spektrum“ würde man das in der Farblehre wohl nennen. Apropos Farben: Simon erzählt von den gigantischen Graffitis, die in der Schule auf Außenwände gesprüht wurden und kann sehr genau erklären, was er weshalb gut oder schlecht findet. Geprägt hat ihn auch seine Zeit in Boston, sein Vater musste beruflich dort arbeiten, vor kurzem erst ist die Familie zurückgekommen. Der Aufenthalt in den USA: ein Baustein für das, was für Simon das Wichtigste im Leben und damit auch im späteren Job ist: „Ich will mich immer weiterentwickeln. Diese Möglichkeit soll mir mein Beruf geben.“

Simon kennt sich sehr gut mit Apps aus und interessiert sich für „native Programmierung“. In diesem Bereich sieht er eine Berufsperspektive


Die Chefredakteurin: Nora Noll (17)
Die Interviews mit ihren Schulkameraden für absolut°karriere hat sie organisiert, kein Wunder: Nora würde gerne Journalistin werden. Ein anderer Traum, der aber wirklich nur Traum ist: Profimusikerin. Nora spielt Cello und Klavier: „Aber nicht gut genug“, sagt sie und lacht. Nora weiß Bescheid über Journalistenschulen oder Volontariate. Aber warum überhaupt Journalismus? „Sprache spielt eine große Rolle für mich. Das drückt sich auch in meiner Leidenschaft für die Musik aus, ich habe selbst mal Lieder getextet.“ Ansonsten arbeitet sie seit der 7. Klasse für die Schülerzeitung, ist Chefredakteurin und würde, wenn sie einen Wunsch frei hätte, gerne mal für das SZ-Magazin schreiben. Dass die Situation im Journalismus nicht leicht ist, weiß die 17-Jährige. Abschrecken lässt sich Nora davon aber nicht, denn: „Ich bin ein optimistischer Mensch. Hier auf der Schule bekommt man auch Ermutigung und das Gefühl, dass man viel schaffen kann.“ Wie will sie also Journalistin werden? Nora denkt nach und sagt: „Ich werde erst einmal studieren, um eine fachliche Grundlage zu haben. Sowieso finde ich: Wenn man sich die Biografien anderer Journalisten ansieht, merkt man, dass es viele Wege in den Journalismus gibt.“

Wenn sie auswählen dürfte, würde Nora eine Reportage über ein berühmtes Orchester machen, über die Berliner Philharmoniker zum Beispiel


Der Internationale: David Li (17)
In China geboren, fleißig und super in Mathe: Klischees hört David oft. Ist ihm aber egal, er macht sich lieber Gedanken über seinen Berufsweg: Beim GEFA-Leistungstext wurden ihm vierzehn verschiedene Ingenieurs-Fachrichtungen empfohlen, mit einer Eignungsquote von 99 Prozent: „Das war ein tolles Feedback“, sagt David und lächelt. Um seinen Zukunftsplan zu verwirklichen, hat sich der 17-Jährige für ein Sommersemester in Boston beworben und paukt fleißig Englisch. Und dass er fließend Chinesisch spricht, sieht er als persönlichen Vorteil in einer Branche, die sich nach Asien hin erweitert. Apropos Klischee: Welche Sportart mag David gar nicht? Genau, Tischtennis!

In seinen Freistunden spielt David zur Entspannung gerne auf der Orgel in der Schulkapelle


Die Romantikerin: Larissa Deisenberger (15)
„Ich habe ja noch Zeit.“ Das ist der Satz, mit dem Larissa ihre Situation beschreibt. Er passt. Früher eingeschult, eine Klasse übersprungen und nun bald vor dem Abitur: Larissa ist die jüngste des Quintetts und möchte gerne „etwas mit Sprachen“ machen. Italienisch hat sie schon begonnen, Spanisch („Mein zweiter Name ist spanisch, Mercedes“) und Portugiesisch sollen folgen. Ihre Eins im Latinum sieht die 15-Jährige als optimale Grundlage. Am Ende des Studiums könnte ein Job im Ausland stehen, für internationale Beziehungen in einer Firma oder im staatlichen Dienst. Zuerst aber freut sich Larissa, die zudem in zwei Orchestern musiziert, auf das Studium. Philosophie und Romanistik hat sie sich ausgesucht. Philosophie, weil sie gerne diskutiert und analysiert. Romanistik, um die Liebe und das Talent für Sprachen auszunutzen. Dabei geht es erst einmal um den Spaß und das Sich-Ausprobieren. Larissa freut sich, ist entspannt und sieht dem Studium optimistisch entgegen. Klar, denn: Sie hat ja noch Zeit.

Französisch hatte Larissa nicht gefallen, deshalb hat sie in der Schule Altgriechisch gewählt. Jetzt will sie Französisch an der Uni nachholen


Der Klassische: Jakob Kobler (16)
Wer Griechisch und Latein lernt, der wird? Genau, Professor für Chemie. Zumindest, wenn es nach Jakob Kobler geht. Der 16-Jährige liest zwar Cicero und Homer in der Originalsprache, seine große Liebe gilt jedoch der Chemie. Am liebsten würde er Forschen und Lehren, gerne an der Universität, denn: „Ich möchte mein Wissen weitergeben, aber gleichzeitig auch selbst neue Sachen lernen und entdecken.“ Studieren, das muss auf jeden Fall erst einmal sein, denn: „Ich liebe es, mich mit anderen auszutauschen. Und ich freue mich richtig auf das wissenschaftliche Arbeiten, das liegt mir.“ Für seine Zukunftspläne spielen nicht nur seine Interessen, sondern vor allem auch die Perspektiven eine Rolle: „In meinem Bereich sind die Jobaussichten ganz gut. Ich kann mir sowohl die Arbeit an der Universität vorstellen als auch die in einer Behörde.“

Wenn Jakob den Lehrplan für Chemie machen würde, ginge es mehr um praktischere Fragen. Etwa: „Wie funktioniert eine Batterie?“

Das Rhabanus-Maurus-Gymnasium in St. Ottilien ist ein humanistisch-neusprachliches Gymnasium in Bayern. Es gibt dazu ein Tagesheim und ein Internat. Und ein sehr berühmtes Kloster


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